Starkregen in Deutschland: Wie oft sind Sie betroffen?

Katharina Lengfeld ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Hydrometeorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Ihr Spezialgebiet ist die Auswertung aktueller und vergangener Starkregenereignisse und deren Entwicklung im Rahmen eines sich verändernden Klimas. Seit fast 15 Jahren beschäftigt sie sich mit Niederschlagsmessungen mittels Wetterradaren, zuerst an der Universität Hamburg und an der Polytechnischen Universität in Hamburg, bevor sie 2017 zum DWD in die regionale Niederschlagsüberwachung wechselte.

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Starkregen

Katastrophe im Ahrtal 2021, Hochwasser an der Elbe 2002 und 2013, Sturzflut in Braunsbach 2016, überflutete Straßen in Münster 2014: Das sind einige der wohl bekanntesten Auswirkungen extremer Niederschlagsereignisse der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Aber wissen Sie, wie häufig bei Ihnen in der Region Starkregen auftritt? Der Deutsche Wetterdienst (DWD) untersucht genau das und stellt die Ergebnisse für jeden frei zur Verfügung.

Was ist Starkregen eigentlich?

Gerade jetzt im Sommer taucht häufig der Begriff „Starkregen“ in den Medien auf, aber was ist damit eigentlich genau gemeint? Die kurze Antwort: eine exakte Definition gibt es nicht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert Starkregen als Niederschlag mit außergewöhnlich hoher Intensität in kurzen Zeiträumen. Um vor Starkregen zu warnen, hat der DWD Schwellenwerte für Niederschläge mit einer Dauer von einer Stunde und mit einer Dauer von sechs Stunden festgelegt: Fallen beispielsweise 25 bis 40 mm Niederschlag in einer Stunde oder 35 bis 60 mm Niederschlag in sechs Stunden, wird eine Unwetterwarnung für heftigen Starkregen ausgerufen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch kann „Starkregen“ aber auch länger dauern als nur wenige Stunden. Hier spricht der DWD dann von Dauerregen und legt dafür Warnschwellen für Niederschläge von 12, 24, 48 und 72 Stunden fest. Diese Schwellenwerte wurden an die klimatologischen Bedingungen in Deutschland angepasst. Ein Starkregen, der in Deutschland als „extrem“ eingestuft ist, kann in anderen Regionen, z.B. in den Tropen, durchaus häufiger vorkommen und nicht als extrem empfunden werden.  

Wieso ist Starkregen so schwer zu messen?

Starkregen sind oft sehr kleinräumige Wetterphänomene, die teilweise nur wenige Quadratkilometer betreffen. Jeder kennt vermutlich die Situation, dass es in einem Bereich der Stadt zu heftigen Niederschlägen kommt, während andere Stadtteile komplett trocken bleiben. Genau das macht es schwer, Starkregen verlässlich zu messen. Der DWD und weitere Partner betreiben mehr als 1800 Niederschlagsstationen in Deutschland. Das entspricht etwa einer Station pro 200 km2. Das reicht nicht aus, um alle Starkregen zu erfassen. Eine Studie hat gezeigt, dass fast 80% der einstündigen Regenereignisse nicht durch das Stationsnetz erfasst werden können, weil sie in Regionen stattfinden, in denen keine Station steht. Deswegen betreibt der DWD neben seinen Messstationen auch noch ein Netzwerk aus insgesamt 17 Wetterradaren. Diese bieten seit dem Jahr 2001 flächendeckende Messungen für Deutschland, messen allerdings nicht den Niederschlag direkt, sondern die an Regentropfen zurückgestreute Strahlung. Diese kann dann in Niederschlag umgerechnet werden. Um ein bestmögliches Niederschlagsprodukt zu erhalten, kombiniert der DWD die indirekten, flächenhaften Messungen der Wetterradare mit den direkten Messungen an den Stationen. Inzwischen stehen 25 Jahre dieser Niederschlagsdaten zur Verfügung. Für belastbare Aussagen zu klimatologischen Trends ist die Zeitreihe noch zu kurz, eine Betrachtung der Variabilität innerhalb dieses Zeitraums ist aber möglich. 

Starkregen kann jeden treffen!

Eine deutschlandweite Auswertung aller Niederschlagsereignisse, die in den letzten 25 Jahren die Warnschwellen für heftigen Starkregen und ergiebigen Dauerregen überschritten haben, zeigt, dass die Anzahl von Jahr zu Jahr stark variiert (Abb. 1 links oben). Während es im Jahr 2001 nur etwas mehr als 500 solcher Ereignisse gab, waren es im Jahr 2018 über 2000. Das ist insofern bemerkenswert, als dass das Jahr 2018 vielen noch als „Jahrhundertsommer“ mit hohen Temperaturen und insgesamt unterdurchschnittlich viel Regen in Erinnerung sein wird.

Es zeigt aber auch, dass sich im Mittel trockene Sommer und gleichzeitig viele Starkregenereignisse nicht ausschließen und unterstützt die Annahme, dass wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen kann. Dieses Wasser steht dann potenziell als Niederschlag zur Verfügung und kann zu extremen Niederschlägen in kurzer Zeit führen. Die meisten Starkregenereignisse haben eine Dauer von 6 Stunden oder weniger (blaue Balken). Sie treffen aber meist nur ein vergleichsweise kleines Gebiet, wie ein Blick auf die gesamte Fläche von Starkregenereignissen in Abb. 1 oben rechts zeigt. Dort dominieren eher die Ereignisse, die neun Stunden oder länger andauern (gelbe und rosafarbene Balken). Auch hier zeigt sich große Variabilität von Jahr zu Jahr. 2001 betrug die von Starkregen betroffene Fläche nur etwas mehr als 50.000 km2, ein Jahr später waren es fast 300.000 km2. Das ist etwas weniger als die Gesamtfläche Deutschlands ist.  

Wie sich die Starkregenereignisse über Deutschland verteilen, zeigen die beiden mittleren Karten in Abb. 2. Bei langanhaltenden Ereignissen (12 Stunden oder mehr) erkennt man in der räumlichen Verteilung deutlich die Orografie mit erhöhten Ereigniszahlen in den Alpen, dem Schwarzwald, dem Erz- und Mittelgebirge, sowie im Harz. Hier gab es stellenweise mehr als 25 Ereignisse, also mehr als ein Ereignis pro Jahr. Bei den Ereignissen kurzer Dauer dominieren ebenfalls der Alpenraum und der Schwarzwald, im Rest des Landes zeigt sich aber eine etwas gleichmäßigere räumliche Verteilung. Heftige und kurze Starkregen können also im Norden genauso auftreten, wie im Westen oder Osten des Landes und können somit jeden treffen! 

Grafik Niederschlagereignisse

Abb. 1 Grafik Niederschlagereignisse

Starkregen in Städten – Wie sieht es in Berlin, Stuttgart und München aus?

Wie schadensträchtig so ein Starkregenereignis ist, hängt aber nicht allein von der Niederschlagsmenge und -intensität ab, sondern maßgeblich von den geografischen und demografischen Gegebenheiten. Ein Starkregenereignis in flachem, wenig besiedelten Gebiet wird kaum Schaden verursachen, während dasselbe Ereignis in gebirgigem, dicht besiedeltem Gebiet oder in Städten verheerende Folgen haben kann. So kam es beispielsweise zwei Wochen vor der Katastrophe im Ahrtal zu vergleichbaren Niederschlägen in der Uckermark, die dort glücklicherweise kaum Schaden verursacht haben.  

Daher lohnt sich ein Blick in die dicht besiedelten Städte Berlin, Stuttgart und München: Auch hier zeigt sich eine hohe Variabilität in der Anzahl und der durch Starkregen betroffenen Fläche, sowohl von Jahr zu Jahr als auch zwischen den drei Städten (Abb. 1, Reihe 2-4). Während es in Berlin und München im Jahr 2007 vergleichsweise viele Ereignisse gab, wurde Stuttgart nur von einem einzigen getroffen. Im Jahr 2014 gab es dagegen in Stuttgart die meisten Ereignisse, während München gar keinen Starkregen zu verzeichnen hatte. Bei der Fläche ist besonders das Jahr 2017 in Berlin auffällig mit einer betroffenen Fläche von mehr als 1400 km2. Das entspricht etwa dem 1,6-fachen der Fläche Berlins. Somit wurden in diesem Jahr Teile Berlins mehrfach von Starkregen getroffen. 

Wie die Starkregenereignisse über die Stadtflächen verteilt sind, zeigen die kleinen Karten rechts und links in Abb. 2. In Berlin konzentrieren sich die Ereignisse kurzer Dauern eher im Stadtzentrum, während länger anhaltende Ereignisse eher am Stadtrand auftreten. In Stuttgart ist die westliche Stadthälfte stärker von Starkregen aller Dauern betroffen als die Osthälfte. In München zeigt sich für die langen Ereignisse ein Nord-Süd-Gefälle, während die kurzen Ereignisse im gesamten Stadtgebiet auftreten. 

Kartenansicht Deutschland Starkregenereignisse

Abb. 2 Deutschlandweite Verteilung und Intensität von Starkregenereignissen. Quelle: DWD

Welche Starkregenereignisse gab es in Ihrer Region?

Mit dem Starkregenereigniskatalog (CatRaRE) lassen sich aber nicht nur Statistiken erstellen, auch detaillierte Einblicke in einzelne Ereignisse sind möglich. Den Berlinerinnen und Berlinern ist vielleicht noch das Starkregenereignis Ende Juni 2017 in Erinnerung, das zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt hat. Das Regenereignis erstreckte sich insgesamt über zwei Tage und traf große Teile Norddeutschlands. Am heftigsten regnete es allerdings in Berlin, wo in den zwei Tagen örtlich bis zu 187 mm Niederschlag fiel. Das entspricht etwa einer vollen Badewanne pro Quadratmeter. Die Feuerwehr musste fast 1000-mal ausrücken und es kam zu zahlreichen Sachschäden. Ein Ereignisporträt mit den wichtigsten Kenndaten, sowie Feuerwehreinsätzen und Schadenstatistiken liefert das Starkregenportal der Bund/Länder Arbeitsgruppe Wasser. Hier kann jeder Interessierte eine Übersicht über alle Starkregenereignisse seit 2001 in seiner Stadt oder seiner Region bekommen und sich Ereignisporträts erstellen lassen.  

Wie geht es weiter?

Starkregen ist nicht nur für Meteorologinnen und Meteorologen ein wichtiges Thema. Starkregen kann jeden betreffen und wird uns auch in Zukunft in einem immer wärmer werdenden Klima begleiten. Der Deutsche Wetterdienst erfasst weiterhin flächendeckend den Niederschlag für Deutschland und informiert die Bevölkerung über aktuelle und vergangene Starkregen in ihrer Region über die WarnWetter-App und über das Naturgefahrenportal 

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