Skifahren auf dem Müll: Wie man die Angst vor der Transformation verliert

Christian Nerowski

Doktorant

Christian Nerowski studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Dortmund, wo er derzeit sein Doktoratsstudium der Elektrotechnik absolviert. Er engagiert sich weltweit für Energiewende-Themen und berichtet aktuell aus Dänemark.

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26. August 2026
Foto: Christian Nerowski

Wie Dänemark es schafft, die Menschen für die Energiewende zu begeistern

Die Energiewende ist zu 20 % Technik und zu 80 % Psychologie. Das war meine vielleicht wichtigste Lektion aus zwei Monaten Kopenhagen. Als ich am Lehrstuhl von Prof. Dr. Georgios Tsaousoglou ankam, dachte ich noch, es ginge in erster Linie um Optimierungsmodelle und ausgeklügelte Methoden der Spieltheorie. Doch am Ende geht es eigentlich immer um die Frage: Wie nehmen wir die Menschen mit? Wie schaffen wir Akzeptanz in der Bevölkerung?

In Deutschland wird die Transformationsdebatte oft als „Verzichtsdebatte“ geführt. In Kopenhagen erlebte ich das Gegenteil. Beim Austausch mit dänischen Kolleginnen und Kollegen sprachen wir oft über deren Verhältnis zur Technologie. Beispielsweise gibt es hier keinen Argwohn bezogen auf den Datenschutz. Stattdessen wurde nach bestem Wissen und Gewissen versucht, den eigenen ökologischen Fußabdruck mit den individuellen Möglichkeiten, zu reduzieren. Wenn das der Nutzung von intelligenten Messsystemen bedarf, die den eigenen Stromverbrauch aufzeichnen, ist das für die Leute dort in Ordnung.

Etwas anderes ist noch erwähnenswert: Kopenhagen ist berühmt für seine Fahrrad-Kultur. Jeden Morgen fahren Tausende Menschen über die breiten Fahrradwege der Stadt zur Arbeit oder nutzen sie zum Sport machen. Gleichzeitig fördert die Politik den Ausbau der Infrastruktur und schränkt den Individualverkehr via PWK im Stadtgebiet ein. Die Kombination dieser Maßnahmen erleichtert für viele Menschen den Umstieg auf das Fahrrad, und schafft es so, dem Frust vorzubeugen. Viele Dänen sehen die Veränderungen daher nicht als Verzicht an, sondern als Modernisierungsprojekt für mehr Lebensqualität.

Kopenhagen als reales Testlabor: Ein Symbol für den Wandel - CopenHill

Das wohl spannendste Projekt, welches ich während meiner Zeit in Dänemark kennenlernen durfte, war der CopenHill. Man stelle sich eine hochmoderne Müllverbrennungsanlage vor, mitten in der Stadt, auf deren Dach eine Skipiste, ein Wanderweg und die höchste Kletterwand der Welt installiert sind. Als ich zum ersten Mal über die Stadt blickte und mir das Objekt in der Skyline von einem Freund zeigen ließ, verstand ich den dänischen Ansatz: Transformation muss einen Mehrwert bieten, der über die pure Funktionalität hinausgeht.

Wer die Energiewende wirklich erfolgreich machen möchte, muss die Menschen mit intelligenten Lösungen für sich gewinnen. Ob es nun um die ganz großen Fragen geht, z.B. wie koppele ich die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr, oder um die etwas kleineren, z.B. welche Straße widme ich als nächste zur Fahrradstraße um, wirsollten uns ein Beispiel am CopenHill nehmen. Viele Dinge lassen sich zusammen denken, und genau das sollten wir auch tun!

Fazit: Technik alleine gewinnt keine Energiewende

Die dänische Lektion für mich ist klar: Technik alleine gewinnt keine Energiewende – wir brauchen den gesellschaftlichen Konsens und den Mut, Veränderungen als Fortschritt zu begreifen. Wer die Umwelt schützen will, muss Wege finden, die politisch mehrheitsfähig und zugleich effektiv sind. Treibhausgasemissionen müssen reduziert werden, doch ist auch niemandem geholfen, wenn ein Land durch die getroffenen Maßnahmen seine Industrie verliert. Dänemark ist da ein tolles Beispiel, weil es zeigt, dass viele Menschen bereit sind, die Extrameile zu gehen, um diesem Ziel näher zu kommen. Wenn Menschen den Nutzen (saubere Luft, ruhige Städte) direkt erleben, steigert das ihre Akzeptanz.

Ich nehmen diesen „Danish Spirit“ mit zurück nach Dortmund, wie auch die für mich wichtigen akademischen Fortschritte, die ich zusammen mit Prof. Dr. Georgios Tsaousoglou erzielen konnte. Zurück in Dortmund freue ich mich bereits, wieder anpacken und die Energiewende gestalten zu dürfen.

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