Die Europäische Schwarz-Pappel (Populus nigra L.) ist in Deutschland eine gefährdete Baumart. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet umfasst Flussauen entlang großer Flüsse wie Rhein und Donau. Durch Flussbegradigungen, Nutzungsänderungen und Verdrängung durch Hybrid-Pappeln ist die Art stark zurückgegangen. In Baden-Württemberg wird sie als „stark gefährdet“ geführt, in der Roten Liste Deutschland in Kategorie 3.
Auch im Neckargebiet gibt es Hinweise auf natürliche Vorkommen, weshalb regionale Genotypen in einer Erhaltungsanlage bei Lauffen am Neckar gesichert wurden.
Erhaltungsanlage als Grundlage für die Forschung
Die Erhaltungsanlage bei Lauffen am Neckar wurde im Rahmen des Projekts „Erhaltung der Neckar-Schwarz-Pappel“ angelegt. Sie vereint 32 Genotypen der regionalen Population auf einer Fläche von etwa 1,9 Hektar. Die Anlage dient primär dem Erhalt der genetischen Ressourcen und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, die Variabilität innerhalb des Genpools zu erfassen.
Das Pflanzmaterial wurde an Altbäumen aus dem Neckargebiet gewonnen. Die Pflanzung erfolgte in Gruppen, wobei jede Gruppe drei bis fünf Individuen eines Genotyps umfasst. Bei einigen Genotypen handelt es sich laut genetischen Untersuchungen des Bayerischen Amtes für forstliche Saat- und Pflanzenzucht Teisendorf (ASP, heute AWG) vermutlich um Relikte der ursprünglichen Neckar-Pappel. Die Fläche wird von der EnBW als Flächeneigentümerin zur Verfügung gestellt.
Ziel und Methode der Untersuchung
Ziel der Bachelorarbeit war eine Erstaufnahme und vergleichende Bewertung ausgewählter Wachstums- und Qualitätsparameter der Genotypen. Die Untersuchung sollte zudem Hinweise auf unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten der Genotypen liefern – etwa für den urbanen Raum oder als Beimischung im Wald.
Untersucht wurden 152 Bäume aus 32 Genotypen sowie ergänzend Sämlinge mit genetischen Anteilen einiger dieser Genotypen.
Erfasst wurden Höhe und Stammdurchmesser (in 1,3 m Höhe) sowie ausgewählte Qualitätsmerkmale. Die Qualitätsmerkmale umfassten Schaftform (Krümmung, Schiefstand), Astigkeit (Aststärke, Astanzahl, Starkäste) und Kronenform (inkl. Apikaldominanz, d. h. der Ausprägung eines dominierenden Leittriebs). Sie wurden auf einer ordinalen Skala von 1 bis 3 bewertet. Zusätzlich wurden die Konkurrenzverhältnisse mithilfe des Hegyi-Index (ein Konkurrenzindex, der den Stammdurchmesser und Abstand der Nachbarbäume berücksichtigt) und des mittleren Abstands zu Nachbarbäumen untersucht.
Zentrale Ergebnisse
Die Bäume erreichten im Mittel 15,09 cm Stammdurchmesser (Spanne: 1–33 cm) und 10,17 m Höhe (Spanne: 2,4–17,4 m). Das durchschnittliche Stammvolumen betrug 0,12 Vorratsfestmeter. Der mittlere Hegyi-Index betrug 0,68 (0–3,44), der mittlere Abstand zu den Nachbarbäumen 3,51 m (1,85–6,62 m).
Die Ergebnisse deuten auf Unterschiede zwischen den untersuchten Genotypen hinsichtlich der erfassten Wachstums- und Qualitätsmerkmale hin. Auf Basis einer gewichteten Qualitätskennziffer, bei der niedrigere Werte als günstiger eingestuft werden, zeigten einige Genotypen tendenziell geringere Werte.
Die Zusammenhänge zwischen Konkurrenz und den Wachstumskennwerten fallen beim Hegyi-Index deutlicher aus als beim mittleren Abstand zu den Nachbarbäumen. Ein zunehmender Hegyi-Index (gleichbedeutend mit zunehmender Konkurrenz) korrelierte negativ mit Stammdurchmesser (ρ = -0,587), Höhe (ρ = -0,338) und Volumen (ρ = -0,547) sowie einigen Qualitätsparametern.
Fazit und Bedeutung für die Praxis
Aufgrund heterogener Ausgangsbedingungen, unterschiedlicher Pflanzzeitpunkte und geringer Stichprobengrößen lassen sich die beobachteten Unterschiede nicht eindeutig genetischen Unterschieden zuordnen. Dennoch stellt die Untersuchung eine wichtige Erstaufnahme der in Lauffen am Neckar untersuchten Schwarz-Pappel-Genotypen dar.
Sie schafft eine Grundlage für weiterführende Monitoring- und Vergleichsuntersuchungen. Die Ergebnisse können als erste Hinweise auf unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten der Genotypen dienen, müssen jedoch für belastbare Aussagen weiter überprüft werden.
Die hohe Variabilität auf der Fläche unterstreicht die Bedeutung des Erhalts der genetischen Vielfalt dieser gefährdeten Baumart. Die Erhaltungsanlage bei Lauffen am Neckar trägt hierzu bei.
Das Mutterquartier bei der Erhaltungspflanzung in Lauffen a. N. dient der Gewinnung von Nachzuchtmaterial. Bildautor: C Fink
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