Reduce, Reuse, Recycle – Hongkongs Abfall-Management im Wandel

Vanessa Szablata

Studentin

Vanessa Szablata studiert im Master Sustainability & Innovation Management an der Universität Graz und verbringt ihr Auslandssemester an der Chinese University of Hong Kong. In ihren Beiträgen beleuchtet sie ökologische Fragestellungen einer lebendigen Metropole – etwa urbane Nachhaltigkeit, Ressourcenmanagement und innovative Umweltlösungen – und zeigt, wie große Städte mit den Herausforderungen der Zukunft umgehen.

weiterlesen
vor 3 Tagen

Als deutsche Studentin habe ich auf jeder Reise meine Wasserflasche mit dabei – auch im Auslandssemester! Und das lohnt sich hier in HK SAR (Sonderverwaltungszone Hongkong), denn wer auf den regelmäßigen Kauf von Wasserflaschen aus jeglichen Gründen verzichten möchte, kann die vielen öffentlichen Trinkwasser-Auffüll-Stationen, welche man überall in der Stadt findet, nutzen, um die eigene Flasche kostenlos zu befüllen. So spart man nicht nur bare Münze, sondern spielt auch noch dem Waste Blueprint for Hong Kong 2035” in die Hände, mit welchem sich Hongkong bis zum Jahr 2035 Abfallreduzierung,Ressourcenkreisläufe sowie Null Deponierung zum Ziel gesetzt hat. 

Das Stadtbild Hongkongs zu Zeiten des Klimawandels

Dies hat neben dem Aspekt des weltweit fortschreitenden Klimawandels auch Platzgründe zum Hintergrund, da die Stadt Hongkong mit über 7,4 Millionen Einwohnern zu einer der dicht besiedeltsten Städte der Welt zählt! Geographisch gesehen ist da nicht viel Platz für Mülldeponien – auch außerhalb der belaufenen Straßen, wo hügliges Terrain und dichte Wälder das Stadtbild einschließen. Und auch wenn Wasserstationen zur Plastikreduktion ein guter Anfang sind, so hat Hongkong auch viele weitere Ideen und Konzepte entwickelt, um nicht nur seine Anwohner bezüglich der Thematik zu sensibilisieren, sondern auch um Mülldeponien aktiv abzubauen. Aber wie effektiv sind diese Ideen und Umsetzungen? 

Nicht alles auf einen Haufen werfen

Mülltrennung-hongkong

Ein starker erster Schritt ist die Mülltrennung, wobei man in Hongkong Plastikflaschen von Aluminiumdosen, und Papier von Plastik und Restmüll trennt. Aber auch die Aufklärungsarbeit enttäuscht nicht – vor allem in moderneren Teilen der Stadt. Denn hier finden sich überall Poster und Warnzettel, welche Themen wie Wassernutzung, das Sparen von Energie oder die korrekte Entsorgung von Abfall behandeln. Dennoch gilt: Mülltrennung ist gesetzlich nicht verpflichtend. Zwar war eine Gebührenregelung für 2021 vorgesehen, um das pro Kopf Aufkommen an Abfall zu verringern, diese wurde jedoch aufgrund wirtschaftlicher Herausforderungen wie dem globalen Zollkrieg und derzeitigen geopolitischen Risiken vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben. 

 Anders ist es bei dem Thema Abfallvermeidung mit dem Ziel der verringerten Anwendung von Plastik-Einwegverpackungen (wie etwa Polystyrol-Geschirr, Strohhalme und Besteck). Diese dürfen in Hongkong ab dem 22. April 2024 in der Gastronomie nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sondern müssen mit einer Gebühr beaufschlagt werden. Dies soll den Verbrauch verringern, wobei ein Zuschlag von 1-3 HKD (ca. 0,11-0,33 EUR) im Verhältnis zu einer Mahlzeit zwischen durchschnittlich 50 bis 100 HKD (ca. 6-12 EUR) veranschlagt wird. 

Innovation als kreativer Baustein der Abfallstrategie

Doch auch technische Lösungen gewinnen an Beliebtheit. So findet sich in HK SAR ein besonders interessantes Nachhaltigkeitskonzept, welches Hongkong im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts aufgebaut hat: Die autarken Verwertungs-PARKs. Hierzu zählen der T-PARK (Transformation-PARK), eine moderne und energieeffiziente Klärschlamm-Verbrennungsanlage, welche aus 90% der in HK entstehenden menschlichen Fäkalien mittels Verbrennung Energie gewinnt, sowie O-PARK 1 und 2 (Organic-PARK), welche primär Lebensmittelreste in Energie und Dünger umwandeln. Besonders attraktiv machen sie nicht nur der positive Nutzen, den sie mit sich bringen, sondern auch die Aufklärungsarbeit, die sie leisten. So ist es bei den verschiedenen PARKs möglich eine Tour mit Informationen über die Realität von Hongkongs Abfällen, die verschiedenen Energiegewinnungskonzepte, sowie Abfallvermeidung zu bekommen. Dabei haben beide PARKs unterschiedliche Attraktionen: Der T-Park überzeugt mit einem hauseigenen Spa, dessen heiße und lauwarme Bäder mit der hier gewonnenen Energie angetrieben werden und in dem Besucher vor oder nach ihrer Tour entspannen können. 

Der O-PARK hingegen fungiert als Erlebnisparadies für Kinder, mit 4D-Kino und interaktiver Tour, wobei im Anschluss (in selbst mitgebrachten Behältnissen) der eigene Kompost-Starter gratis mitgenommen werden kann. Hier stehen besonders Schulklassen als Besucher im Mittelpunkt, was es zu einem cleveren Konzept macht, um besonders jungen Menschen die Aufklärung über nachhaltige Systeme zur Abfallverwertung nahezubringen. Immerhin sind die Kinder von heute die Gesellschaft von morgen! 

Anspruch und Wirklichkeit: Mehr Schein als Sein?

Soweit schön und gut, aber wie effektiv sind die Nachhaltigkeitskonzepte von Hongkong SAR nun tatsächlich? Meine Recherchen legen offen: Es geht – vor allem bezüglich der Aufklärung über das Thema Klimaschutz und Recycling – in die richtige Richtung. Nichtsdestotrotz weitet sich die Schere zwischen Hongkongs Plänen zum Abbau der Mülldeponien und der Realität stark. Die drei derzeit bestehenden Mülldeponien mit einem akkumulierten Fassungsvermögen von ca. 139Mio. m3 stehen kurz vor dem Erreichen ihres Limits, weshalb bereits neue Orte für das Lagern des Abfalls der Stadt eingerichtet werden. Zudem lässt sich noch nicht klar sagen welche Auswirkungen die Sensibilisierung haben wird. Zusätzlich sorgt die geopolitische Lage Hongkongs für ein außergewöhnliches politisches Klima, wodurch die Selbstständigkeit der Sonderverwaltungszone und damit auch Veränderungen in Gesetzgebungen im Bereich der Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren im Unklaren scheinen. Die Parks sind wiederum ein sehr zukunftsorientiertes und vielversprechendes Projekt, das jedoch mehr Anwendungsfläche bedarf. 

Quellen

https://www.epd.gov.hk/epd/english/environmentinhk/waste/waste_maincontent.html  

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/322305/umfrage/gesamtbevoelkerung-von-hongkong/  

https://www.info.gov.hk/gia/general/202310/18/P2023101800622.htm 

https://www.gov.hk/en/residents/environment/waste/management/mswcharging.htm 

Diskutieren Sie mit

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

Reduce, Reuse, Recycle – Hongkongs Abfall-Management im Wandel
0
0