REDD+ in Kolumbien: Mit Waldschutz gegen den Klimawandel

Lilli Ludewig

Studentin

Lilli Ludewig studiert Sustainability & Change an der Universität Hohenheim und berichtet aus Kolumbien über die Energiewende und Klimaschutzmaßnahmen.

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11. Februar 2026

Waldschutz ist Schlüssel für CO2-Reduzierung

Kolumbien gilt mit seinem Amazonas-Regenwald, den Anden und auch den Küstenzonen zu einem der artenreichsten Länder der Welt. Insgesamt beherbergt das Land etwa 10% aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Die Gesamtzahl umfasst etwa 45.000 bis 55.000 Pflanzenarten und 28.000 Tierarten. Um diese Vielfalt zu erhalten und um die fortschreitende Waldzerstörung in Kolumbien zu bekämpfen, wurde das Projekt REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) ins Leben gerufen. Es wurde erstmals 2005 auf den internationalen Klimaverhandlungen der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) entwickelt, um Wälder als Kohlenstoffspeicherdurch finanzielle Anreize zu schützen. Dabei erhalten Länder Zahlungen, wenn sie nachweislich weniger Treibhausgase durch Waldverlust emittieren. Diese Zahlungen erfolgen häufig über internationale Fonds oder freiwillige Kohlenstoffmärkte. 

Waldrodung belastet das Ökosystem des Amazonasgebiets

Mit rund59 Millionen Hektar Waldfläche leisten die Amazonaswälder einen zentralen Beitrag zurKohlenstoffspeicherung, zurRegulierung des regionalen Wasserhaushaltsund zurStabilisierung des Klimas. Gleichzeitig sichern sie die Lebensgrundlage zahlreicher indigener und lokaler Gemeinschaften. Zwischen1990 und 2016verlor Kolumbien rund7 Millionen Hektar Wald. Hauptursachen sind dieAusweitung landwirtschaftlicher Flächenfür Viehzucht und Monokulturen sowie derillegale Kokaanbau, der Rodungen und Landkonflikte mit sich bringt. Auchillegaler HolzeinschlagundGoldabbaubelasten die Ökosysteme, indem sie Ressourcen entziehen, Böden und Gewässer verschmutzen und die Widerstandsfähigkeit der Wälder verringern. Brandrodungen, verstärkt durch längere Trockenperioden, beschleunigen die Entwaldung zusätzlich.Unklare Landrechteundillegale Landnahmeerschweren wirksame Kontrollen und gefährden eine nachhaltige Nutzung der Wälder. 

REDD+: Wie Waldschutz zum Klimaschutz beträgt

Damit REDD+ funktioniert, müssen Länder bestimmte Schritte umsetzen. Zunächst erstellen sie sogenannteWaldreferenzemissionsniveaus. Das sind Schätzungen, wie viel CO bei ungebremster Entwaldung ausgestoßen werden würde. Auf dieser Basis können schließlich Emissionsreduktionen berechnet werden.                                                                   Anschließend werdennationale Strategienentwickelt, die konkrete Maßnahmen gegen Entwaldung festlegen, etwa die Stärkung von Schutzgebieten, Förderung nachhaltiger Landwirtschaft oder Kontrolle illegaler Abholzung. Ein zentrales Element ist dasMRV-System(Measurement, Reporting and Verification), das sicherstellt, dass Emissionsreduktionen tatsächlich stattfinden und überprüfbar sind. Zusätzlich zu den Klimazielen umfasst REDD+ auch soziale und ökologische Schutzmaßnahmen. Diese sogenanntenSafeguardssollen garantieren, dass die Rechte indigener Gemeinschaften geachtet und Biodiversität geschützt werden. So soll verhindert werden, dass Waldschutz zulasten lokaler Bevölkerung geschieht. 

REDD+ erfüllt ökologische, ökonomische und soziale Ziele

Die richtige Umsetzung von REDD+ kann mehrere Ziele gleichzeitig erreichen. Erstens trägt es unmittelbar zur Reduktion von Treibhausgasemissionen bei. So wurden zwischen den Jahren 2010 und 2023 etwa 131 Milllionen Tonnen CO  vermieden. Zweitens schützt REDD+ die Biodiversität: Durch die Erhaltung tropischer Wälder bleiben nicht nur Tierund Pflanzenarten geschützt, sondern auch wichtige Ökosystemleistungen wie Wasserspeicherung, Bodenschutz und lokale Klimaregulation erhalten. Drittens kann REDD+ soziale und wirtschaftliche Chancen schaffen. Viele Programme binden lokale und indigene Gemeinschaften aktiv ein. Sie profitieren etwa durch neue Einkommensquellen, Infrastrukturmaßnahmen oder stärkere Beteiligung an politischen Entscheidungen. Das Projekt kann damit sowohl ökologischen als auch sozialen Wandel anstoßen. 

Fehlende Transparenz und Finanzierungslücken erschweren das Projekt

Trotz dieser Potenziale steht REDD+ vor großen Herausforderungen. Ein zentrales Problem ist die nachhaltige Finanzierung. Viele Projekte hängen von kurzfristigen Zahlungen oder freiwilligen Kohlenstoffmärkten ab, was langfristige Planungen erschwert. Auch die Verlässlichkeit der Emissionsdaten ist kritisch: Um glaubwürdig zu sein, müssen Emissionsreduktionen genau gemessen und international anerkannt werden. In vielen Ländern fehlen jedoch technische Kapazitäten und institutionelle Strukturen, um dies sicherzustellen. Zudem gibt es soziale Herausforderungen. Die Rechte indigener Völker müssen in allen REDD+-Projekten gewahrt werden, um Konflikte zu vermeiden. In der Praxis sind Beteiligungsprozesse aber nicht immer ausreichend inklusiv. Hinzu kommt die Gefahr sogenannter Verlagerungseffekte: Wird Abholzung an einem Ort verhindert, kann sie an anderer Stelle zunehmen. 

Wälder sind günstiges und effektives Mittel im Klimaschutz

REDD+ ist zwar kein Wundermittel gegen die Klimakrise, aber das Projekt ist ein entscheidender Baustein im Kampf gegen den Klimawandel. Wälder sind eine der kostengünstigsten und wirksamsten natürlichen Lösungen, um Emissionen zu verringern und gleichzeitig Biodiversität zu schützen. Damit der Mechanismus sein volles Potenzial entfalten kann, sind jedoch klare politische Rahmenbedingungen, stabile Finanzierung und inklusive Entscheidungsprozesse notwendig. 

 

Quellen:

  • Mitchell, A. L., Rosenqvist, A., & Mora, B. (2017). Current remote sensing approaches to monitoring forest degradation in support of countries measurement, reporting and verification (MRV) systems for REDD+. Carbon Balance and Management, 12(1). https://doi.org/10.1186/s13021-017-0078-9 
  • Rodríguez-De-Francisco, J. C., Del Cairo, C., Ortiz-Gallego, D., Velez-Triana, J. S., Vergara-Gutiérrez, T., & Hein, J. (2021). Post-conflict transition and REDD+ in Colombia: Challenges to reducing deforestation in the Amazon. Forest Policy and Economics, 127, 102450. https://doi.org/10.1016/j.forpol.2021.102450 

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