Ökologisches Trassenmanagement: Wenn unter Stromleitungen neue Lebensräume entstehen

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Podcast zur Energiezukunft

Stromleitungen sind ein unverzichtbarer Teil unserer Energieversorgung. Sie sorgen dafür, dass Strom zuverlässig dort ankommt, wo er gebraucht wird – in Haushalten, Unternehmen, Städten und Gemeinden. Gleichzeitig verlaufen viele Trassen durch Wälder, Schutzgebiete und offene Landschaften. Genau dort entsteht eine spannende Frage: Wie lassen sich Versorgungssicherheit, Betrieb und Wartung von Stromnetzen mit dem Schutz von Natur und Biodiversität zusammendenken?

In der 50. Folge von „Energiezukunft im Dialog“ spricht Lena Brink mit Friederike Müller und Gesa Domes von der Netze BW über ein Best-Practice-Thema, das auf den ersten Blick technisch klingt, bei genauerem Hinsehen aber viel mit Artenvielfalt, Klimaschutz und der praktischen Umsetzung der Energiewende zu tun hat: ökologisches Trassenmanagement.

Doch lieber hören?

Technische Infrastruktur mit ökologischem Potenzial

Trassenpflege ist notwendig, damit Bäume und Sträucher nicht zu nah an Freileitungen heranwachsen. Denn wenn Äste oder Baumkronen den Leitungen zu nahekommen, kann das die Versorgungssicherheit gefährden. Beim klassischen Trassenmanagement steht deshalb vor allem die technische Anlage im Mittelpunkt: Mindestabstände müssen eingehalten, Risiken vermieden und Leitungen sicher betrieben werden.

Das ökologische Trassenmanagement geht einen Schritt weiter. Es fragt nicht nur, was entfernt werden muss, sondern auch, was bleiben darf, gefördert oder neu entwickelt werden kann. Niedrige Gehölze, langsam wachsende Baumarten, gestufte Waldränder oder Totholz können wertvolle Lebensräume schaffen. Aus einem notwendigen Eingriff in die Landschaft kann so eine ökologische Chance entstehen.

Vom Umspannwerk zum „Summspannwerk“

Neben den Stromtrassen sprechen wir auch über die sogenannten „Summspannwerke“ – ein Wortspiel, hinter dem eine konkrete Idee steckt: Ungenutzte Rasenflächen auf Umspannwerksgeländen werden zu artenreichen Blumenwiesen entwickelt. Dort, wo bislang regelmäßig gemulcht wurde, entstehen neue Lebensräume für Insekten und andere Arten. Das braucht eine andere Pflege, passende Zeitpunkte für die Mahd und ein gutes Verständnis für den jeweiligen Standort.

Die Beispiele zeigen: Biodiversitätsschutz ist nicht nur eine Aufgabe für Schutzgebiete. Auch technische Infrastruktur kann Räume eröffnen, in denen Natur stärker mitgedacht wird. Entscheidend ist dabei, standortspezifisch vorzugehen, mit Behörden, Eigentümerinnen und Eigentümern, Kommunen und Verbänden zusammenzuarbeiten und langfristig zu denken.

Akzeptanz der Energiewende: Warum positive Kommunikation wichtig ist

Ein weiterer wichtiger Gedanke aus dem Gespräch: Wie wir über Biodiversität sprechen, macht einen Unterschied. Die Lage ist ernst, denn Artenvielfalt, Lebensräume und genetische Vielfalt stehen weltweit unter Druck. Gleichzeitig warnen die Gäste davor, ausschließlich in Katastrophenbildern zu kommunizieren. Wer Menschen zum Handeln motivieren möchte, sollte die Herausforderungen klar benennen – aber auch zeigen, welche Lösungen bereits möglich sind. Vielleicht kann dieses Best-Practice-Beispiel motivieren?

Genau das gelingt in dieser Podcastfolge: Die Folge diskutiert, unter welchen Bedingungen Energiewende und Naturschutz gemeinsam berücksichtigt werden können. An ausgewählten Standorten können dabei zusätzliche Lebensräume für Flora und Fauna entstehen – mitten in einer Infrastruktur, die für eine klimafreundliche Energiezukunft gebraucht wird.

Ein Gespräch über Praxis, Potenziale und langen Atem

Die Umsetzung solcher Projekte ist anspruchsvoll. Sie braucht Fachwissen, Abstimmung, Genehmigungen, gute Kommunikation und oft auch Geduld. Jeder Standort ist anders, jede Fläche bringt eigene Bedingungen mit: Boden, Vegetation, Eigentumsverhältnisse, Schutzstatus, technische Anforderungen und regionale Unterschiede spielen eine Rolle. Gerade deshalb ist ökologisches Trassenmanagement kein Standardprogramm von der Stange, sondern ein Prozess, der genau hinschaut.

Das Potenzial ist groß: Die Netze BW betreibt allein rund 3.500 Kilometer Hochspannungsfreileitungen, von denen etwa 40 Prozent durch ökologisch sensible Gebiete wie Wälder oder Schutzgebiete verlaufen. Hinzu kommen zahlreiche Umspannwerke, deren ungenutzte Flächen Schritt für Schritt ökologisch aufgewertet werden können. Damit werden Stromnetze nicht nur zu Lebensadern der Energieversorgung, sondern können in geeigneten Bereichen auch zusätzliche Vernetzungsstrukturen für bestimmte Tier- und Pflanzenarten schaffen.

Jetzt reinhören

Diese Folge zeigt, wie aus technischen Notwendigkeiten neue ökologische Möglichkeiten entstehen können – und warum es sich lohnt, Energiewende, Klimaschutz und Biodiversität gemeinsam zu denken. Wer erfahren möchte, wie solche Projekte in der Praxis funktionieren, welche Zielkonflikte dabei auftreten und warum manchmal gerade pragmatische Lösungen den größten Unterschied machen, sollte die Podcastfolge in voller Länge anhören.

Links zu weiteren Informationen

Webseite Ökologisches Trassenmanagement
Webseite Summspannwerke

Hörtipp:

Sie wollen mehr zum Thema Stromnetz, Freileitungen und Erdkabel lesen und hören? Dann interessiert Sie bestimmt diese Podcast-Folge.

Glossar: Die wichtigsten Begriffe rund um ökologisches Trassenmanagement

Freileitung

Eine Freileitung ist eine oberirdisch geführte Stromleitung, die auf Masten verläuft. Sie transportiert elektrische Energie über große Entfernungen und bildet einen wichtigen Teil des Stromnetzes.

Hochspannungsnetz

Teil des Stromnetzes, das elektrischen Strom mit hoher Spannung transportiert. Hochspannungsleitungen verbinden beispielsweise Umspannwerke oder größere Regionen miteinander.

Netzbetreiber

Unternehmen, das für Planung, Bau, Betrieb und Wartung von Stromnetzen verantwortlich ist. Im Podcast wird die Rolle der Netze BW als Netzbetreiber thematisiert.

Trasse

Der Korridor, entlang dessen eine Stromleitung verläuft. Zu einer Trasse gehören sowohl die Leitung als auch die Flächen darunter und daneben, die für einen sicheren Betrieb freigehalten werden müssen.

Konventionelles Trassenmanagement

Klassische Trassenpflege mit ausschließlichem Fokus auf Betriebssicherheit und Einhaltung von Mindestabständen zur Vegetation. Naturschutzaspekte spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.

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