Nachhaltige Stadtplanung in Bratislava: Zwischen kulturellem Erbe und Moderne

Cosima Mark

Studentin

Cosima Mark studiert Sustainability and Change (Nachhaltiges Wirtschaften) an der Universität Hohenheim und verbringt ihr Erasmus‑Semester in Bratislava, Slowakei. In ihren Beiträgen beschäftigt sie sich mit Themen rund um Nachhaltigkeit – von nachhaltiger Mobilität über Recycling bis hin zu resilienten Städten – und zeigt, wie diese Fragen den Alltag in Europa prägen.

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vor 6 Tagen

Als ich erfuhr, dass ich im Rahmen des Erasmus-Programms nach Bratislava reisen  würde, hatte ich zunächst keine konkreten Vorstellungen. Ehrlich gesagt hatte ich zuvor  nie Berührungspunkte mit der Slowakei.
Es war also an der Zeit, das zu ändern und auch einmal die andere Seite Europas  kennenzulernen.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt in meinem Leben eine wichtige Rolle. Nicht nur studiere  ich Sustainability & Change (Nachhaltiges Wirtschaften) an der Universität Hohenheim,  ich bin auch persönlich davon überzeugt, dass wir nachhaltig leben müssen, um ein Leben für zukünftige Generationen zu sichern. Deutschland selbst möchte bis 2045 ein klimaneutrales Industrieland sein. Damit gehören wir international zu den Vorreitern angesichts der Klimakrise. Doch wie wird in anderen europäischen Ländern mit der Klimakrise umgegangen und  welche Vorgaben und Regeln gibt es im Alltag?

Die Slowakei ist kein Land, das vom Tourismus boomt. Dennoch konnte ich während  meiner Zeit dort wunderschöne Naturlandschaften wie das Tatra-Gebirge sehen. Ich bin der Auffassung, dass man hier ebenfalls sehr schöne Ecken findet. Mit diesem Bericht möchte ich deshalb auch etwas mehr Nähe und Verständnis für Osteuropa schaffen. Generell kann ich jedem einen Besuch in Bratislava empfehlen.

Bratislava von seiner idyllischen Seite

Bratislava mit Blick auf Donau

Dieses Bild, das ich bei meinem Besuch der Burg Hrad aufgenommen habe, zeigt Bratislava von seiner idyllischen und naturnahen Seite. 

Zu sehen ist die Donau, die sich durch die Stadt schlängelt und sie somit in zwei Hälften teilt.  

Mit Brücken gelangt man von einer Seite auf die andere. Während meines Besuchs bin ich viel am Donauufer spazieren gegangen und dabei ist mir aufgefallen, dass sich auf beiden Seiten überwiegend Fußgänger- und Fahrradwege befinden. 

Dies schafft einen schönen Erholungsraum, in dem Menschen ohne den Lärm von fahrenden Autos spazieren gehen können. 

Die Altstadt Bratislavas mit historischem Charme

Blick von Burg Hrad

Auf diesem Bild, das ich von der anderen Seite der Burg aus aufgenommen habe, ist eine weitläufige Baumlandschaft zu sehen. Auch sie trägt für mich zu einem grünen Stadtbild bei. Die Windräder im Hintergrund gehören zu Österreich, da das Land an die Slowakei grenzt. 

Während meiner Reisen im Landesinneren musste ich leider feststellen, dass ich bisher kein einziges Windrad in der Slowakei gesehen habe. Nach meinen Recherchen betreibt das Land bisher nur zwei kleinere Windparks mit insgesamt fünf Turbinen. Die Hauptquellen der Stromerzeugung ist Kernenergie, die mehr als die Hälfte des slowakischen Stroms ausmacht.

 Mit knapp 500.000 Einwohner:innen ist Bratislava zwar eine vergleichsweise kleine Hauptstadt, gehört jedoch zu den am schnellsten wachsenden Regionen Europas.

Das Stadtbild ist durch klare Abgrenzungen geprägt:

Die Altstadt beeindruckt durch ihren historischen Charme, die barocken Gebäude und die imposante Burg Hrad, die auf dem Hügel thront. Sie ist zudem das politische Zentrum der Slowakei mit Regierungsgebäuden, Universitäten und einer lebendigen Kultur.

Plattenbau mit mangelnder Wärmedämmung

Der Bezirk Bratislava- Petržalka befindet sich im Süden der Stadt (südlich der Donau). In diesem Bezirk findet man die „Ostblock“-Wohngegend. 

Die sogenannten Plattenbaugebiete wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren erbaut, somit sind viele dieser Häuser inzwischen mehr als 40 Jahre alt. 

Der Grund für die damalige Bauweise der Häuser war der Wohnungsmangel, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg auftat. Um dem entgegenzuwirken, veranlasste die kommunistische Partei eine groß angelegte Produktion von Wohnungen. Die Wohnungen wurden hauptsächlich aus Betonpaneelen gebaut, denn der Bau in Plattenbauweise war sowohl schneller als auch kostengünstiger. 

Da bei dieser Bauweise nicht viel Wert auf Qualität gelegt wurde, gibt es heute einige Probleme mit der Wärmedämmung und dem damit verbundenen hohen Energieverbrauch.

Dieses Problem geht zu Lasten der Anwohner:innen, denn in den betroffenen Häusern leben vor allem Menschen aus der unteren und mittleren Arbeiterschicht, die Probleme haben, ihre Haushalte zu heizen. Deshalb kommt hier Unterstützung von der CEB, der internationalen Entwicklungsbank. Die CEB stellt der größten Bank in der Slowakei, der Slovenská Sporiteľňa, 30 Mio. € bereit, um durch Dämmung und Sanierung von Platten- und Altbauten den Energieverbrauch zu senken und so die Wohnbedingungen der Bewohner:innen zu verbessern.

Ich war selbst öfter in der Gegend in Petržalka und habe mir ein eigenes Bild davon gemacht, wie es dort aussieht. Neben den klassischen Plattenbauten sieht man auch etliche moderne Gebäude, die vermutlich erst in den letzten Jahren gebaut bzw. errichtet wurden.  

Leider fehlen Grünflächen und Natur allgemein sehr. Parkanlagen sind ebenfalls nur sehr sporadisch vorhanden. Dadurch wirkt die Gegend etwas trübe. 

Nachhaltige Stadtentwicklung in Teilen Bratislavas

Im östlichen Teil von Bratislava, im Bezirk Nivy, sieht es hingegen schon ganz anders aus. In diesem Bezirk ragen bereits große Wolkenkratzer in den Himmel. Dies ist jedoch erst der Anfang eines großen Stadtentwicklungsprojekts. 

Das gesamte Nivy-Quartier ist als gemischtes Areal konzipiert, das Büro-, Einkaufs- und Verkehrsinfrastruktur vereint und die Umgebung neu beleben und modernisieren soll. 

Mit dem Bau des „Nivy Towers” im Jahr 2019 wurde der erste Meilenstein erreicht. Mit 125 Metern ist der Tower eines der höchsten Gebäude in Bratislava. 

Mittlerweile sind aber die neuerrichteten „Eurovea Towers“ mit 260 und 184 Metern Höhe die höchsten Gebäude der Slowakei. 

Die beiden Türme wurden für ihre Konzeption gelobt, denn sie bieten nicht nur 1.100 Wohnungen, sondern sollen gleichzeitig auch nachhaltig sein. 

Folgende nachhaltige Maßnahmen wurden integriert: 

  1. Die Türme sind mit Photovoltaik-Paneelen ausgestattet und erzeugen somit ihren eigenen Solarstrom. Ebenso nutzen die Türme Erdwärme über Wärmepumpen. 
  2. Die Gebäude wurden so konzipiert, dass insgesamt weniger Baumaterial benötigt wurde, wodurch sich der ökologische Fußabdruck beim Bau verringert hat. 
  3. Das Fassadensystem wurde so gestaltet, dass es integrierte Jalousien und ein dezentrales Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung umfasst. Dadurch wird der Bedarf an Heizen und Lüften gesenkt. 
  4. Das modulare Fassadensystem führt zu einer Kreislaufwirtschaft, da die Bauteile abmontiert und recycelt werden können. 
  5. Mit einem dezentralen Energienetz wird auf lokaler Ebene die gesamte Effizienz verbessert, indem der Energiebedarf mit dem von benachbarten Gebäuden ausgeglichen wird. 

Das gesamte Nivy-Quartier ist mit Parks ausgestattet und die geschwungenen Wege erinnern an die Flusslandschaft der Donau. Durch Wiesen und Bäume wird die Biodiversität gefördert, und die Parks bieten den Bewohner:innen Erholungsflächen und Freizeitmöglichkeiten. 

Auf diese Weise wird die Verbindung zwischen urbanem Leben, Natur und Nachhaltigkeit gestärkt.

Im Laufe der Zeit habe ich das Stadtbild von Bratislava sehr gut kennengelernt. Es war sehr interessant, die verschiedenen Bauweisen zu sehen, und mithilfe der recherchierten Informationen konnte ich auch die Hintergründe wirklich verstehen. 

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