Wie unterschiedliche Lebenswelten die Akzeptanz der Energiewende beeinflussen

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Energiewende – wie das Milieu-Modell von SINUS Akzeptanz und Widerstand erklärt

Warum ist es so schwer, Akzeptanz für die Energiewende zu schaffen, obwohl die Technik überzeugend und die Ergebnisse vielversprechend sind? Über dieses Thema spricht Katharina Klein mit Christoph Schleer, Experte für gesellschaftlichen Wandel vom Forschungs- und Beratungsinstitut SINUS in der 44. Folge des Podcasts zur Energiezukunft.

Energieprojekte scheitern selten an der Technik

Der Bau von Windparks, PV-Freiflächen und neuen Stromleitungen ist nicht nur eine technische Herausforderung. Er muss auch gesellschaftlich ausgehandelt werden. Ob ein Projekt vor Ort gelingt, hängt also stark davon ab, ob die Betroffenen es für sinnvoll, fair und nachvollziehbar halten. Wie die Akzeptanz entsteht, lässt sich mit Hilfe der SINUS-Milieuforschung besser verstehen als mit herkömmlichen soziodemographischen Daten wie Alter, Wohnort, Geschlecht oder Einkommen.

Milieuforschung liefert wichtige Erkenntnisse über die Akzeptanz der Energiewende

Zwei ähnliche Menschen können sehr verschieden auf eine Veränderung vor Ort reagieren. Grund: Sie empfinden ihre Lebenswelt ganz anders. SINUS beschreibt diese Milieus durch Werte, Alltag, Ziele und Zukunftserwartungen. Die Merkmale werden nicht demografisch, sondern anhand von qualitativen Tiefeninterviews erfasst. Daraus entwickeln die Forschenden Muster, die mit repräsentativen Umfragen abgeglichen werden.

Was bringt die Milieuforschung für die Klimakommunikation

Die von SINUS entworfenen Milieus sind keine starren Kästen, sondern fließende Übergänge. Wer einen Personenkreis anspricht, erreicht angrenzende Gruppen ebenfalls. Es gibt also kein typisches Schubladendenken. Das macht das Modell so wertvoll für die praktische Klimakommunikation.

Welche Gruppen tragen die Energiewende – und welche bremsen sie?

Es gibt Milieus mit hoher Zustimmung. Die dazugehörigen Menschen unterstützen Energieprojekte aufgrund ihrer inneren Haltung. Andere stellen Bedingungen – die Technik muss überzeugen und ihr Lebensstandard darf nicht leiden. Wieder andere sind ambivalent. Sie sorgen sich ums Klima, fürchten aber Kosten und instabile Verhältnisse. Schließlich gibt es Milieus mit klarer Distanz – sie erleben die Energiewende als reinen Verzicht. Die vier Muster helfen, den Widerstand einzelner Milieus zu verstehen und gezielte Kommunikationsschritte zu planen.

Wie lassen sich Klimaskeptiker überzeugen?

In dem Milieu-Modell von SINUS wird der Widerstand gegen die Energiewende besonders von der „nostalgisch-bürgerliche Mitte“ getragen. Es stellt sich die Frage, wie sich diese Skepsis in Zustimmung verwandeln lässt. Fest steht: Es geht dieser Gruppe weniger um Klimaparolen als vielmehr um Vertrauen, faire Lastenverteilung und regionale Vorteile. Akzeptanz scheitert oft an der Frage: Wer zahlt – und wer profitiert?

Warum verpuffen so viele gute und richtige Argumente für die Energiewende?

Zwei Dinge sind dafür entscheidend: Medienverhalten und Vertrauen. Manche lesen regionale Tageszeitungen, andere informieren sich ausschließlich über soziale Medien oder an der Seite von Influencern. Wieder andere halten Wissenschaft und Behörden für glaubwürdig. Vertrauen ist also geprägt von Nähe und Identifikation. Ein Fazit des Podcasts lautet: Zu den wichtigsten Aufgaben der Energiewende gehört es herauszufinden, in welchen Echokammern der Gesellschaft sich die Milieus befinden und auf welchem Weg sie dort erreichbar sind.

Die Aktuellen Folgen des Podcasts

 

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