Mexikos Rolle zwischen China und den USA: Herausforderungen für Wirtschaft und Nachhaltigkeit

Nico Zipse

Energie-Reporter

Energie-Reporter Nico Zipse berichten aus Mexico für die Stiftung Energie & Klimaschutz.

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27. August 2025

Mexikos Rolle in einem geopolitischen Konflikt

Mexiko nimmt aktuell eine wichtige Position zwischen den USA und China ein. Besonders Monterrey, als bedeutende Industriestadt nahe der texanischen Grenze, gewinnt dadurch zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Zahlreiche internationale Firmen, vor allem aus China, verlagern ihre Produktionsstätten nach Nordmexiko, um Handelsbarrieren und Zölle der USA zu umgehen. Dies bringt zwar erhebliche wirtschaftliche Vorteile für Mexiko, führt aber gleichzeitig zu gravierenden Umweltproblemen.

Mexiko profitiert vom USMCA-Abkommen

Seit Einführung des Handelsabkommens USMCA (United States-Mexico-Canada Agreement), das die Handelszölle zwischen den drei Ländern reduziert, ist Mexiko zunehmend attraktiv für ausländische Unternehmen geworden. Allein im Jahr 2022 beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Mexiko auf insgesamt 35,3 Milliarden US-Dollar. Vor allem chinesische Firmen nutzen Mexiko als Produktionsstandort, um niedrigere Zölle für den Export in die USA zu erhalten. Monterrey erlebt durch diese Entwicklung einen industriellen und wirtschaftlichen Aufschwung.

 

Umweltprobleme als Schattenseite

Der schnelle industrielle Aufschwung in Monterrey hat allerdings auch erhebliche negative Folgen für die Umwelt. Oftmals werden Umweltauflagen ignoriert oder nicht ausreichend durchgesetzt. Lokale Behörden dulden diese Zustände häufig, um weiter Investitionen anzuziehen und den wirtschaftlichen Boom nicht zu gefährden. Dies führt zu deutlich schlechterer Luftqualität, Wasserbelastungen und einer steigenden Belastung der Infrastruktur.  Vor allem die Luftverschmutzung in Monterrey hat bereits bedenkliche Ausmaße angenommen, was die Gesundheit der lokalen Bevölkerung zunehmend gefährdet.

Korruption und Lobbyismus verschärfen Umweltprobleme

Ein zentraler Faktor hinter diesen Umweltproblemen sind Korruption und Lobbyismus. Studien zeigen, dass bis zu 40 % der Produktionsstätten im verarbeitenden Gewerbe Umweltstandards nicht vollständig einhalten. Häufig werden diese Standards aufgrund von Einflussnahme und finanziellen Interessen bewusst ignoriert. Diese Praxis bedroht nicht nur die Umwelt, sondern gefährdet auch die soziale und politische Stabilität in Monterrey und der Region. 

Die Folge: wirtschaftliches Wachstum auf Kosten von Umwelt und langfristiger Lebensqualität.

Nachhaltigkeit als Herausforderung für Monterrey

Mexikos Lage zwischen den USA und China bietet eindeutige wirtschaftliche Chancen, stellt das Land aber auch vor Herausforderungen bezüglich einer nachhaltigen Entwicklung. Wenn Mexiko langfristig von diesem Aufschwung profitieren will, muss es dringend Wege finden, wirtschaftliches Wachstum mit nachhaltigen Maßnahmen zu verbinden. 

Experten fordern klarere und konsequenter umgesetzte Umweltgesetze, mehr Transparenz und eine entschiedenere Bekämpfung von Korruption und Lobbyismus. Nur so kann Mexiko die wirtschaftlichen Chancen langfristig und nachhaltig nutzen. 

Quellen

  1. Boston Consulting Group – Nearshoring: Mexiko überholt China als wichtigster US-Handelspartner 

https://www.bcg.com/publications/2024/shifting-dynamics-of-nearshoring-in-mexico 2. Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) – Von Nearshoring zum SecurityShoring: Mexikos geopolitische Herausforderung 

https://www.swp-berlin.org/publikation/mexico-from-a-short-nearshoring-boom-to-us security-shoring 

  1. USTR – USMCA Handelsabkommen 

https://ustr.gov/trade-agreements/free-trade-agreements/united-states-mexico-canad a-agreement 

  1. HKLaw – Warum US-Unternehmen Mexiko statt China favorisieren (Nearshoring) https://www.hklaw.com/en/insights/publications/2023/02/nearshoring-opportunities-in mexico-appeal-to-us-china-asia
  2. CrossDock Insights – Mexiko profitiert vom USChina-Handelskonflikt (Nearshoring-Boom) 

https://crossdockinsights.com/p/nearshoring-boom-in-mexico 

  1. FDI in Mexiko 2022 (BBVA Research) 

https://www.bbvaresearch.com/en/publicaciones/mexico-are-more-remittances-or-for eign-direct-investment-arriving/ 

  1. Umweltregelverstöße in Mexikos (ScienceDirect) 

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0921800905005215 8. Transparency International – Korruptionswahrnehmungsindex Mexiko https://www.transparency.org/en/countries/mexico

Mexikos fossile Energiepolitik - Zwischen Erdöl, Umweltproblemen und verpasster Energiewende

Mexiko zählt zu den bedeutendsten Energieproduzenten Lateinamerikas. Besonders Erdöl, Gas und unkonventionelle Fördermethoden wie Fracking spielen eine zentrale Rolle des Landes. Über Jahre hinweg war die Förderung fossiler Rohstoffe eine Garantie für wirtschaftliches Wachstum. Doch mit dem globalen Trend zur Dekarbonisierung rückt die Rolle dieser Technologien zunehmend in den Fokus kritischer Debatten. Während viele Länder verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, scheint Mexiko in weiten Teilen an einer fossilen Strategie festzuhalten.

Erdöl als wirtschaftlicher Faktor

Mexiko ist seit Jahrzehnten ein bedeutender Ölproduzent. Noch heute ist das Land unter den Top 15 der größten Erdölförderländer weltweit. Laut der nationalen Energiekommission (CNH) lag die tägliche Fördermenge im Jahr 2023 bei rund 1,9 Millionen Barrel. Diese Produktion liefert einen wesentlichen Beitrag zum Staatshaushalt und stellt ein zentrales wirtschaftliches Standbein dar. 

Allerdings ist dieser wirtschaftliche Erfolg mit Risiken verbunden. Insbesondere der Fokus auf fossile Energieträger geht zulasten der notwendigen Investitionen in nachhaltige Technologien. Während andere Länder zunehmend auf Solar-, Wind- oder Wasserkraft setzen, bleibt Mexikos Energiepolitik stark vom Öl dominiert. 

Umweltprobleme und Fracking

Ein wachsender Anteil der fossilen Energie stammt mittlerweile aus unkonventionellen Quellen wie Schiefergas und Fracking-Projekten. Vor allem im Norden Mexikos, unter anderem im Bundesstaat Coahuila, werden seit Jahren neue Projekte vorangetrieben. Diese Techniken sind jedoch hoch umstritten. Fracking steht im Verdacht, erhebliche Grundwasserverunreinigungen und Erdbeben zu verursachen. Zudem erhöhen diese Fördermethoden die Methanemissionen – ein Treibhausgas mit deutlich stärkerem Erwärmungspotenzial als CO.

Fehlende Durchsetzung bei Umweltauflagen

In zahlreichen Fällen scheitert der Umweltschutz in Mexiko nicht an fehlenden Gesetzen, sondern an ihrer bewussten Umgehung. Zwar existieren rechtliche Rahmenbedingungen, doch in der Praxis werden Umweltkriterien häufig ignoriert – vor allem, wenn wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Die staatliche Umweltaufsicht PROFEPA registrierte im Jahr 2021 insgesamt 19.010 Verstöße gegen Umweltvorschriften. Dennoch bleiben viele dieser Fälle ohne Konsequenzen – teils aufgrund mangelnder Ressourcen zur Kontrolle, teils durch politischen Einfluss oder wirtschaftlichen Druck.  Insbesondere in rohstoffreichen Regionen berichten Umweltorganisationen regelmäßig von intransparenten Genehmigungsverfahren und nicht veröffentlichten Umweltgutachten. Kritiker werfen der Regierung vor, gezielt wegzuschauen, wenn neue Projekte Investitionszuwachs und Steuereinnahmen versprechen. Diese Dynamik, geprägt durch wirtschaftliche Prioritäten, Lobbyismus und strukturelle Korruption schwächt den Umweltschutz massiv und schafft ein Klima wachsender gesellschaftlicher Skepsis gegenüber öffentlichen Stellen.

Die verpasste Energiewende

Während andere lateinamerikanische Länder wie Chile oder Kolumbien massiv in grüne Energien investieren, bleibt Mexikos Strategie bislang uneinheitlich. Zwar gibt es staatliche Projekte im Bereich Solarenergie, insbesondere in den Wüstenregionen Nordmexikos, doch deren Anteil am Gesamtenergiemix bleibt gering. Aktuell stammen laut dem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) rund 89,8 % des mexikanischen Stroms weiterhin aus fossilen Quellen. 

Hinzu kommt: Der dominierende Einfluss staatlicher Unternehmen wie Pemex oder der Comisión Federal de Electricidad (CFE) erschwert den Markteintritt privater Investoren im Bereich erneuerbarer Energien. Oftmals scheitern nachhaltige Projekte an regulatorischen Hürden oder mangelnder politischer Unterstützung.

Fossile Abhängigkeit als Risiko für Umwelt und Zukunftsfähigkeit

Mexikos Energiepolitik steht am Scheideweg. Der hohe Abhängigkeit von Erdöl, Gas und Fracking bringt kurzfristige Einnahmen, jedoch langfristige Risiken für Umwelt, Gesellschaft und wirtschaftliche Resilienz. Ohne eine klare Strategie zur Energiewende droht das Land, international den Anschluss zu verlieren. Der Aufbau einer nachhaltigen Energiezukunft erfordert nicht nur Investitionen, sondern auch politische Entschlossenheit – und den Mut, überholte fossile Strukturen zu überwinden.

Quellen

1. IEA – Erneuerbare Energien in Mexiko 2023 

https://www.iea.org/countries/mexico 

  1. OECD – Energieausblick Lateinamerika 2023 

https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2023/11/latin-america -energy-outlook-2023_d1e97165/fd3a6daa-en.pdf 

  1. EIA – Länderprofil Mexiko 

https://www.eia.gov/international/analysis/country/MEX 

  1. NRGI – PEMEX und die Energiewende 

https://resourcegovernance.org/publications/pemex-and-energy-transition-timely-resp onses-growing-threats 

  1. PROFEPA – Umweltverstöße in Mexiko 2021: 19.010 registrierte Verstöße (Seite 29) https://www.asf.gob.mx/Trans/Informes/IR2021b/Documentos/Auditorias/2021_0223_ a.pdf
  2. Mexico Business News – Nationale Ölproduktion 2023 laut CNH: 1,937 Mio. Barrel pro Tag 

https://mexicobusiness.news/oilandgas/news/mexico-closes-2023-lower-hydrocarbon s-production

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