Mehr als heiße Quellen – was Island uns über nachhaltige Zukunft lehrt

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
16. September 2025

Wir haben auf unserer Reise viele wichtige Erfahrungen und neue Eindrücke sammeln können. Besonders deutlich wurde uns, dass eine klimafreundliche Energieproduktion nicht zwingend Klimaschutz bedeutet. Dies ist eine wichtige und nicht besonders leichte Lektion für uns in Deutschland, aber auch in Island und in anderen Ländern. Uns wurde noch einmal besonders klar, an welche Grenzen moderne Gesellschaften im Hinblick auf ihren Ressourcenverbrauch stoßen.

Besonders ins Auge fiel uns die an US-amerikanischen Vorbildern orientierte Stadtplanung in der Region Reykjavík. Es gibt nur wenige Alternativen zum Auto und ein großes autobahnähnliches Straßennetz, das sich durch das gesamte Stadtgebiet schlängelt. Das rasante Wachstum des Ballungsraums Reykjavík hat Auswirkungen auf das vorhandene Straßensystem und lässt Alternativen immer dringender werden. So soll beispielsweise der Busverkehr elektrifiziert werden und mit dem Projekt „Borgarlína“ ein neues Schnellbussystem aufgebaut werden. Ob diese Maßnahmen zu einer erhöhten Nutzung des öffentlichen Verkehrs und damit einer Verbesserung der Pro-Kopf-Emissionen beitragen, bleibt fraglich. Die jüngere Generation scheint jedoch, wie in unseren Interviews festgehalten, das eigene Verkehrsverhalten kritisch zu hinterfragen.

Maßnahmen, die den Luftverkehr und die Primäraluminiumproduktion betreffen, gestalten sich weiterhin als besonders komplex. Vor allem die Aluminiumherstellung erfordert grundlegende technologische Neuerungen, um signifikante Emissionsreduktionen zu erzielen. Ansätze dafür existieren bereits, werden jedoch bislang nicht in Island umgesetzt.

Im Luftverkehr konzentrieren sich aktuelle Strategien vor allem auf effizientere Flugzeugmodelle sowie auf CO₂-Kompensation – langfristig notwendige, aber begrenzt wirkungsvolle Schritte.

Unsere Reise nach Island hat uns eindrücklich vor Augen geführt, dass die Transformation zur Klimaneutralität weit über den Umbau der Energieerzeugung hinausgeht. Auch die Nutzung der Energie und energieintensive Prozesse müssen grundlegend neu gedacht werden, wenn wir eine nachhaltige Wirtschaftsweise erreichen wollen. Dabei spielen nicht zuletzt gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Verhaltensmuster eine entscheidende Rolle – Aspekte, die wir vor Ort unmittelbar erleben und reflektieren konnten.

Über die rein energiewirtschaftlichen Erkenntnisse hinaus war unsere Reise nach Island auch eine Erfahrung auf vielen weiteren Ebenen. Eine nachhaltige Zukunft verlangt nicht nur technologische Lösungen, sondern auch ein neues Denken – interdisziplinär, reflektiert und gesellschaftlich verankert. Für die damit verbundenen Einsichten und Erfahrungen sind wir sehr dankbar.

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