Debattenabend in Stuttgart
Nach einer Phase starken Wachstums legt die Elektromobilität in Deutschland nicht mehr so schnell zu wie in den Jahren zuvor. Gründe sind vielfältig. Viele Menschen zögern mit dem Kauf eines E-Autos, denn sie fürchten, dass es nicht genug Ladepunkte gibt. Andere misstrauen der Technik. Hersteller wiederum schielen auf den unsicheren Nachschub von Batteriezellen.
Wie kann die Elektromobilität endgültig zur Erfolgsstory werden? Gibt es tatsächlich Hürden oder nur eine Mauer in den Köpfen, die dem Durchbruch im Wege steht? Und was bedeutet diese Entwicklung für das Autoland Baden-Württemberg? Darüber diskutierten Fachleute für Mobilität, Energie und Rohstoffe am 6. November 2025 im Literaturhaus Stuttgart – zunächst bei den Nachmittagstalks in kleinen Gruppen, dann auf dem Podium vor rund 80 Gästen. Zumindest in einigen Punkten waren sich die Teilnehmenden einig. Es braucht Mut, Experimentierfreude und eine positive Einstellung gegenüber dem elektrischen Fahren. Unterschiedliche Erfahrungen gab es beim Thema Ladeinfrastruktur. Die Gespräche gingen in kleinen Gruppen weiter – beim Netzwerken mit vegetarischem Essen, Wein und Bio-Bier. Das Event in Fotos:
Maria Anhalt
CEO Elektrobit Automotive GmbH
„Es ist möglich, mit Kooperationen in der Branche großen Erfolg zu haben. Beispiel Sony. Die haben von Autos keine Ahnung, trotzdem ist es ihnen gelungen, innerhalb von zwei Jahren ein Fahrzeug zu entwickeln.“
Elektrobit ist Experte für Software im Automobilbereich und bringt die Kompetenzen in das Gemeinschaftsprojekt mit Sony Honda Mobility ein. Sony arbeitet an Kamera-, Audio- und Entertainmenttechnologie. Honda ist für den klassischen Fahrzeugbau zuständig. Aus der Zusammenarbeit entstand AFEELA, das Konzept für ein elektrisches Fahrzeug.
Professor Stefan Reindl
Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft und Studiendekan an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
„Wir haben in Deutschland schon Probleme, Kleinwagen mit Verbrennungsmotor herzustellen, weil die Kosten zu hoch sind. Bei batterieelektrischen Fahrzeugen sind die Herausforderungen noch größer.“
Für den Wissenschaftler sind günstigere Batteriekonzepte eine Lösung des Rentabilitätsproblems der E-Fahrzeug-Hersteller. Chancen sieht er in neuen Technologien wie Lithium-Eisenphosphat-Batterien, mit denen sich kleinere Modelle wirtschaftlicher herstellen und günstiger verkaufen lassen.
Dirk Güsewell
Mitglied des Vorstands der EnBW, Chief Operating Officer Systemkritische Infrastruktur und Kunden
„Die Menschen müssen an der Ladesäule überzeugt werden.“
Der EnBW-Vorstand sieht enormes Potenzial für Elektroautos in Deutschland. Wenn ihre Zahl erstmal auf 15 bis 20 Millionen E-Autos steigt, müsse die Ladeinfrastruktur in den Alltag integriert sein – zum Beispiel in Tiefgaragen, vor Supermärkten oder auf Parkplätzen. Ziel des Konzerns sei es, für wachsende Fahrzeugflotten die entsprechenden Angebote zu schaffen. Bis 2030 peilt die EnBW 20.000 gleichzeig nutzbare Schnellladepunkte in Deutschland an.
Charlotte Wagner
Akademische Mitarbeiterin am Institut für Energieübertragung und Hochspannungstechnik der Universität Stuttgart
„Es ist wichtig, dass Spediteure ihre Ladezyklen kennen, um entsprechend planen zu können.“
Die Expertin ging in ihrem Nachmittagsworkshop der Frage nach, wie sich E-Lkw in urbanen Räumen effizient einsetzen lassen. Das Thema ist wichtig, denn die meisten elektrischen Lieferfahrzeuge sind auf Kurzstrecken unterwegs und eignen sich hervorragend für einen elektrischen Antrieb. Für die Spediteure kommt es darauf an, Ladezyklen zu bestimmen und Ladesäulen so zu positionieren, dass sich die Zeiten in den Betriebsablauf einpassen.
Dr. Thomas Koelbel
Group Expert bei EnBW AG und Geschäftsführer der Geothermie Gesellschaft Bruchsal GmbH
„Wir müssen uns Gedanken machen, wo Lithium herkommen soll. Das Thema Versorgungssicherheit haben wir lange unterschätzt.“
Das weiße Gold ist ein wichtiger Rohstoff zum Bau von Batterien. Doch Deutschland deckt seinen Bedarf bislang vollständig über Importe. Thomas Koelbel zeigte in seinem Workshop Alternativen auf. Beispiel Geothermie. Beachtliche Mengen Lithium finden sich etwa im Tiefenwasser, das für Wärme und Strom gefördert wird. Der wertvolle Rohstoff lässt sich als Nebenprodukt gewinnen.
Lena Müller
Referentin Fachkräftequalifizierung in der Automobilindustrie, e-mobil BW GmbH
„Jeder zehnte Arbeitsplatz in Baden-Württemberg hängt direkt oder indirekt am Automobil. Das macht insgesamt 480.000 Personen.“
Zusammen mit ihrer Kollegin Laura Blaschke (r.) zeigte die Expertin, wie sich die Branche in Baden-Württemberg verändert, wo sich neue Chancen bieten, zum Beispiel in der Batterietechnik. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass lebenslanges Lernen der Schlüssel für die Fachkräfte von morgen ist.
Impressionen
Heimo Fischer
Kolumnist
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