Aufgrund zunehmender Ressourcenknappheit bei gleichzeitig wachsendem Rohstoffbedarf rückt die Kreislaufwirtschaft zunehmend in den Fokus politischen und wirtschaftlichen Handelns. Die Kreislaufwirtschaft verfolgt das Ziel, Lebenszyklen von Produkten zu verlängern und Abfall auf ein Minimum zu reduzieren. Je länger Produkte genutzt werden und je besser diese nach der Nutzung weiterverwendet werden können, desto weniger Rohstoffe (sogenannte Primärmaterialien) müssen für die globale Wirtschaft extrahiert werden. Damit bringt die Kreislaufwirtschaft gleich mehrere Vorteile: Weniger Abbau von Rohstoffen und Ressourcen und damit weniger Treibhausgasemissionen. Weniger soziale wie ökologische Belastungen in den betroffenen Regionen. Weniger Abfall, der ebenfalls Emissionen verursacht und kostspielig behandelt werden muss. Hochwertigere Produkte für Verbraucher und Verbraucherinnen. Bevor ich die Brücke zu meinem Aufenthalt in Peru schlage, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen zur Kreislaufwirtschaft.
Kreisläufe schließen: Von Cradle-to-Grave zu Cradle-to-Cradle
Der Lebensweg von Produkten in der herkömmlichen Wirtschaft ist linear. Rohstoffe werden extrahiert und fließen als Primärmaterialien in die Produktion. Die gefertigten Produkte werden vermarktet, genutzt und schließlich entsorgt. Dieser konventionelle Produktlebensweg wird auch als Cradle-to-Grave („von der Wiege bis ins Grab“) bezeichnet. In der Kreislaufwirtschaft hingegen lautet die Maxime Cradle-to-Cradle („von der Wiege in die Wiege“). Nach dem Ende der Nutzungsphase eines Produkts soll das Produkt als Ganzes oder die enthaltenen Materialien eine neue Verwendung finden. Im Idealfall schließen sich so Kreisläufe, da möglichst wenige Materialien als Abfall aus dem Kreislauf ausscheiden und so der Bedarf an neu zugefügten Rohstoffen verringert wird.
Kreislaufwirtschaft im gesetzlichen Rahmen: Das KrWG
In Deutschland liefert das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) ein Rahmenwerk, mithilfe dessen die Transformation zu einer zirkulären Wirtschaft gefördert werden soll. Ein zentrales Konzept dieses Gesetzes ist die Pyramide der Abfallhierarchie. Abfälle sollen demnach zunächst, sofern möglich, vermieden werden. Dafür steckt bereits im Design von Produkten ein großer Hebel. Hier soll auf hochwertige, langlebige Produkte statt Wegwerfartikeln gesetzt werden. Nicht vermeidbarer Abfall soll zur Wiederverwendung vorbereitet werden. Dazu können insbesonderedie Reparatur und die Aufbereitung von gebrauchten Produkten beitragen. Auf der dritten Stufe folgt das Recycling. Dabei werden Bestandteile von alten Produkten als sogenanntes Sekundärmaterial gewonnen und fließen in neue Produkte ein. Es folgen die sonstige Verwertung und damit in der Praxis insbesondere die Müllverbrennung sowie die Beseitigung auf Deponien. Die Zirkularität ist dabei von oben nach unten abnehmend. Wo Abfall vermieden wird, sind Kreisläufe geschlossen. Bei der Vorbereitung zur Wiederverwendung ist der Aufwand noch verhältnismäßig gering, während Recycling oft energieintensiv ist und der Anteil an recyceltem Material bei vielen Produkten nach oben begrenzt ist. Bei der energetischen Verwertung wird zumindest der Brennwert der einzelnen Materialien genutzt und die Beseitigung bleibt insbesondere bei giftigen oder kontaminierten Produkten die letzte Möglichkeit.
Kreislaufwirtschaft in der Praxis – Erfahrungen an der Universidad del Pacífico
Mein Professor in Peru hat die Europäische Union als Vorreiter der Kreislaufwirtschaft angesehen, doch auch dort gibt es seit 2017 ein Gesetz, das mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz hierzulande vergleichbar ist und mit derselben Abfallhierarchie arbeitet. Von Februar bis August 2025 habe ich mein Auslandssemester in der peruanischen Hauptstadt Lima verbracht und habe dort die Universidad del Pacifico (UP) besucht. Dort habe ich einen Kurs zur Kreislaufwirtschaft („Gestaltung zirkulärer Geschäftsmodelle und klimabezogene Herausforderungen“) besucht.
Anwendungsbeispiel: Kreislaufwirtschaft bei Bettlaken
In dem Kurs hat uns der Professor zunächst einige zentrale Konzepte und Strategien der Kreislaufwirtschaft nähergebracht. Diese sollten wir schließlich auf einen praktischen Anwendungsfall übertragen: Hersteller von Bettlaken. In der Praxis handelt es sich dabei häufig um kurzlebige Produkte. Deren Produktion erfordert jedoch einen hohen Einsatz an Ressourcen. Für die Herstellung eines Kilogramms Baumwolle können bis zu 10.000 Liter Wasser erforderlichsein. Hinzu kommen weitere Ökosystembelastungen unter anderem durch Pestizide und Landnutzung. Außerdem liegt die Recycling-Quote im Textil-Bereich insgesamt bei unter 1% und 73% der Textilien landen auf Deponien oder werden verbrannt. Es gibt also genügend Gründe, an einer Verbesserung der Zirkularität in diesem Bereich zu arbeiten.
Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, um uns dem Problem zu widmen und sollten für unseren jeweiligen Bereich Konzepte entwickeln, welche schließlich auf Postern festgehalten wurden. Der erste Bereich war Business-to-Customer (B2C) mit dem Fokus auf Bettlaken für den Privatgebrauch.
Anwendungsbeispiel: Kreislaufwirtschaft bei Bettlaken
Um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu arbeiten, haben wir ein Konzept für ein Product-as-a-Service-Modell entwickelt. Dabei wird nicht das Produkt selbst, sondern dessen Nutzung verkauft und nach der Nutzung wird es vom Hersteller wieder eingesammelt. Damit verantwortet und begleitet der Hersteller den kompletten Lebenszyklus der Bettlaken – vom Design über den Vertrieb, die Wartung und das Recycling. Im Designprozess sollen langlebige Baumwollfasern genutzt und möglichst auf Zusatzstoffe verzichtet werden, da diese später das Recycling erschweren. So wird das spätere Abfallaufkommen bereits im Design-Prozess verringert. Nach der Nutzung werden die Laken eingesammelt, um dann gereinigt und aufbereitet zu werden. Unter Berücksichtigung der Anforderungen an Hygiene und Komfort können diese anschließend wieder an Hotels und Krankenhäuser ausgegeben werden.Entsprechen sie nicht mehr den Anforderungen der B2B-Kunden, verbleiben als Optionen der Verkauf an Privatverbraucher, die Abgabe als Spenden an Organisationen sowie die Weiterverarbeitung zu anderen Produkten. Mit dem Product-as-a-Service-Konzept für Bettlaken können Hersteller zunächst designbedingt Lebenszyklen verlängern und die Anzahl dieser Lebenszyklen durch mehrfache Aufbereitung vervielfachen. Ausgedienten Laken kann schließlich ein neues Produktleben z.B. als Putzlappen, Dämmstoffe oder Polsterfüllungen verschafft werden (→ Cradle-to-Cradle). So werden Abfälle reduziert, der Bedarf an Primärmaterialien minimiert und ein größtmöglicher Anteil an Sekundärmaterial im Kreislauf gehalten.
Im B2C-Bereich war es deutlich schwerer, ein klares Konzept zu entwickeln. Hier sind die Möglichkeiten der Einflussnahme für Hersteller auf die Rückführung in den Kreislauf begrenzt. An Privatpersonen verkaufte Bettlaken lassen sich schließlich nicht mehr rückverfolgen und somit auch nicht abholen. Damit ist der Product-as-a-Service-Ansatz hier nicht unmittelbar anwendbar. Umso größer ist hier also die Bedeutung des Designs und der verwendeten Materialien. Es zeigt aber auch Grenzen der Kreislaufwirtschaft auf, da das Cradle-to-Cradle-Prinzip von der geordneten Rückführung der Materialien abhängt.
Die Poster wurden schließlich an der Universidad del Pacifico aufgehängt, um Studierende, Professoren sowie Mitarbeitende auf das Thema Kreislaufwirtschaft aufmerksam zu machen und für die großen Chancen zu sensibilisieren, die das Konzept im Hinblick auf Ressourcennutzung und damit auch Energie und Klimaschutz bietet. Dasselbe Ziel verfolge ich auch mit diesem Bericht.
Quellen
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0921800905005574
Deutschland. (2012). Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) vom 24. Februar 2012, zuletzt geändert durch Gesetz vom 2. März 2023.
https://www.minam.gob.pe/wp-content/uploads/2017/04/Decreto-Legislativo-N%C2%B0-1278.pdf
Diskutieren Sie mit