Klimaschutz – auf die richtigen Worte kommt es an

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Debatten über die ökologische Transformation klingen oft nach Verzicht – dabei geht es doch um ein besseres Leben. Wie ein bewusster Umgang mit Sprache mehr Zuversicht wecken kann.   

Was entkoffeinierter Kaffee mit Klimaschutz zu tun hat

Was löst es in dir aus, wenn jemand von entkoffeiniertem Kaffee spricht? Ich denke da an ein Getränk, dem der entscheidende Kick fehlt. Dabei gilt Kaffee ohne Koffein als gesund, schützt vor Herzklopfen und Bluthochdruck. Doch es bleibt ein Gefühl der Entsagung. Hersteller wissen das und werben für ihre entkoffeinierten Kaffees mit schicken Beinamen wie „Decaffeinato“ oder einfach nur „Decaf“. Da schwingt wenigstens südländische Lebensfreude mit.   

Auch im Klimadiskurs fallen Ausdrücke, die eine positive Entwicklung beschreiben, aber nach Verzicht klingen. Ein Beispiel ist das Wort Dekarbonisierung, also der klimaverträgliche Umbau des Energiesystems, bei dem Sonne, Wind und Wasser an die Stelle von Kohle, Öl und Gas treten. Ein Prozess, der das Leben der Menschen besser macht. Allerdings: Die Vorsilbe „De“ leitet meist Wörter ein, die für Trennung, Abkehr und Verminderung stehen. So wie in Degradierung, Deformation oder Demontage – also Begriffe mit einem negativen Beigeschmack.  

Sprache prägt unseren Blick auf den Klimaschutz

Auch im Klimadiskurs fallen Ausdrücke, die eine positive Entwicklung beschreiben, aber nach Verzicht klingen. Ein Beispiel ist das Wort Dekarbonisierung, also der klimaverträgliche Umbau des Energiesystems, bei dem Sonne, Wind und Wasser an die Stelle von Kohle, Öl und Gas treten. Ein Prozess, der das Leben der Menschen besser macht. Allerdings: Die Vorsilbe „De“ leitet meist Wörter ein, die für Trennung, Abkehr und Verminderung stehen. So wie in Degradierung, Deformation oder Demontage – also Begriffe mit einem negativen Beigeschmack.  

In der Klimakommunikation kann das zum Problem werden, denn Sprache prägt das Denken. Begriffe beeinflussen, was wir wahrnehmen und wie wir es bewerten. Manchmal transportieren Worte etwas, das wir gar nicht sagen wollten. Das gilt auch für die Klimabewegung, in der einiges zum Grundwortschatz gehört, was zumindest ein falsches Bild erzeugt. Das ist wenig zielführend. Studien belegen, dass sich Menschen Informationen mit negativer Bedeutung eher merken als solche mit positiver Ausprägung.  

Ähnliches gilt für den Begriff Energiewende, der einen grundlegenden Richtungswechsel beschreibt, um den Energiesektor mittels Innovationen zukunftsfähig zu machen. Das Wort „Wende“ steht nicht unbedingt für Aufbruch. Beim Segeln bezeichnet es ein komplexes Manöver um dahin zu gelangen, wo man hergekommen ist. Fahrzeuge wenden, wenn sie an ihren Ausgangsort zurück wollen. Zukunft klingt anders.  

Wer hat die Deutungshoheit auf klimaspezifische Fachbegriffe?

Sicher lassen sich Fachausdrücke nicht immer vermeiden. Doch sprachliche Prägungen ziehen weite Kreise. Über Energie und Erderwärmung sprechen längst nicht nur Expertinnen und Experten aus Politik oder Wissenschaft. Auch im Alltag wird kommuniziert, gedeutet und eingeordnet. 

Wenn ein Heizungsbauer seiner Kundin eine Wärmepumpe empfiehlt, vermittelt er ebenso Vorstellungen von Zukunft wie eine Tierärztin, die dem Hundebesitzer erklärt, wie er Hasso oder Bello gegen diezunehmende Sommerhitze schützt. Ohne es ausdrücklich zu beabsichtigen, werden beide zu Vermittlern des Themas. Sie übernehmen Begriffe und Bilder, die öffentlich zirkulieren – und tragen sie in ihre persönlichen Lebenswelten hinein. 

Klimafakten sind wichtig, Klimagefühle sind wichtiger

Das gemeinnützige Projekt Klimafakten befasst sich mit Fragen der Klimakommunikation und hilft, Inhalte achtsamer und treffender zu formulieren. Die Forderung der Initiative lautet: sprachliche Routine aufbrechen und sich bewusst fragen: „Was will ich wirklich sagen?“ 

Zu den dort aufgezählten Worthülsen gehört auch der Begriff „Klimaziele“. Er bezeichnet Wegmarken, die Staaten oder Unternehmen erreichen wollen, um innerhalb eines bestimmten Zeitraums ihre Treibhausgasemissionen zu senken. Oft sind diese Ziele ambitioniert – doch für Laien bleiben sie abstrakt. Prozentzahlen wie 45, 80 oder 100 Prozent und Jahreszahlen in ferner Zukunft sagen wenig über den konkreten Wandel im Alltag aus. Unsere Gehirne neigen dazu, Dinge zu verdrängen, die zeitlich weit entfernt erscheinen. Zudem gibt es Hinweise, dass Zahlen zwar wichtig sind, die Überzeugungen von Menschen aber nicht langfristig ändern.  

Klimaziele sind zu schwammig

Unklar ist oft auch, was mit den Klimazielen erreicht werden soll. Manche zahlen auf Klimaneutralität ein, andere auf CO2-Neutralität. Andere sprechen von Netto-Null. Aber was heißt das im konkreten Fall? Oft bleibt es schwammig und fördert so die Skepsis. Das liegt auch daran, dass Menschen einfache Antworten bevorzugen, die Zusammenhänge des Klimawandels aber komplex sind. Ein Beispiel ist die atlantische Umwälzströmung AMOC, die unser Klima entscheidend beeinflusst. Sie hat sich bereits verlangsamt, wird vermutlich zusammenbrechen, aber niemand kann sagen, wann das geschehen wird.  

Natürlich sind messbare Ziele in der Politik notwendig, um verbindliche Abmachungen zu treffen. Aber im öffentlichen Diskurs könnte es sinnvoll sein zu sagen, was getan werden muss: das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen oder Produktionsverfahren in Landwirtschaft und Industrie zu ändern – und damit letztlich die Lebensqualität zu verbessern. 

Begriffe schärfen und Vorurteile abbauen

Auch bei dem Wort Klimaschützerin oder Klimaschützer verengt der Begriff die Wirklichkeit. Es schwingt die Vorstellung mit, dass es sich vorranging um Personen handelt, die Klimaschutz ehrenamtlich betreiben. Steht in einem Medienbericht, dass Klimaschützer etwas fordern, dann entsteht im Kopf schnell das Bild einer Aktivistengruppe, die mit Bannern durch die Straßen läuft, Kohlekraftwerke blockiert und sich auf Kreuzungen festklebt. 

Dieser Personenkreis macht allerdings nur einen kleinen Teil derjenigen aus, die sich für Klimaschutz stark machen. Außenvor bleiben die Beschäftigten eines Unternehmens, die mit nachhaltigen Geschäftsmodellen zum Klimaschutz beitragen oder Behörden, die Klimaschutzprogramme entwickeln oder Forschende, die an Innovationen arbeiten. Klimafakten schlägt vor, Begriffe wie Klimaaktive oder Klimaengagierte zu verwenden. Sie beschreiben breiter und inklusiver, wer zum Klimaschutz beiträgt – in Staat, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.  

Passende Klimakommunikation ist mehr als eine Stilfrage. Sie entscheidet darüber, ob die entscheidenden Fragen im öffentlichen Bewusstsein präsent bleiben. Klimaschutz ist angesichts der vielen anderen Krisen und Umwälzungen in der Welt auf der politischen Prioritätenskala nach unten gerutscht. In Deutschland sank der Anteil der Menschen, die sich Sorgen um das Klima machen, von 70Prozent im Jahr 2021 auf 63 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig stieg die Quote derjenigen, die sich keine Sorgen machen, von 25 auf 34 Prozent. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in anderen Ländern.  

Gerade deshalb kommt es darauf an, wie wir über Transformation sprechen: nicht als Geschichte des Verzichts, sondern als Einladung, Fortschritt zu gestalten. Oder wie es Kaffeehersteller vielleicht sagen würden: Klimaschutz steht für Genuss ohne Reue.  

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