Klimakommunikation: Klimalust statt Klimafrust – Rückblick unseres Workshops am 29. April in Stuttgart

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Workshop Klimakommunikation

Klimakommunikation ist wie über einen zugefrorenen See zu laufen

Workshop Klimakommunikation

Strenge Winter mit zugefrorenen Seen sind inzwischen selten, aber kannst du dich noch erinnern, wie es ist, über einen zugefrorenen See zu laufen? Ganz vorsichtig setzt du einen Schritt vor den anderen. Du achtest auf jedes Geräusch. War das ein Knacken? Hält das Eis? 

So fühlen wir uns, wenn wir über das Klima sprechen: unsicher. In der Konsequenz vermeiden wir das Thema. Wir wissen nicht, ob das Eis – oder in diesem Zusammenhang, die Gesprächssituation – hält. 

Wie spreche ich übers Klima?

Wie sag ich es richtig?
Wann sage ich es?
Zu wem sage ich es?
In welcher Menge? 

Ehe wir etwas falsch machen, schweigen wir. Das nennt sich Schweigespirale – auch weil wir denken, dass es den anderen nicht interessiert. Und damit bekommen die Lauten, die die Energiewende schlecht reden oder sogar den Klimawandel leugnen, Oberwasser.

Laut Umfragen erkennen 72 Prozent den menschengemachten Klimawandel an, 55 Prozent möchten mehr politische Klimaschutzanstrengungen und nur 22 Prozent wollen weniger Klimaschutz. Lediglich 16 Prozent glaube, dass es für Klimaschutz zu spät sei und wir ihn „einfach sein lassen“ sollten. (Link zur Quelle: More in Common Deutschland) 

Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen, wenn wir über das Thema sprechen. Die Wahrscheinlichkeit an einen Menschen zu geraten, der Klimaschutz doof findet, ist also gar nicht so groß. 

Klimakommunikation: Wir sind mehr

Übung mit dem Reifen

Über die Schweigespirale, Werte, Gefühle und Fakten rund um das Klima haben wir am 29.04.2026 während unserer Veranstaltung im Rahmen der Urban Talks gesprochen. 

In seiner Keynote betonte Andi Güthler, dass die Fakten bekannt sind und trotzdem uns das Wasser bis zum Hals steht, sind wir untätig. Er bekräftigt, dass die Mehrheit der Menschen mehr Klimaschutz wollen – global, national und über Partiegrenzen hinweg.

Im folgenden Workshop veranschaulichte er anhand von Übungen mit den Teilnehmenden verschieden, Videos und Zahlen warum wir so ticken. Dass es eben nicht um die Kommunikation reiner Fakten geht, sondern dass wir uns auf unseren Gegenüber einlassen müssen, seine – zum Teil grundsätzlich anderen – Werte aushalten müssen und dann eine Ebene finden müssen. Das durften die Teilnehmen dann gleich in einem Rollenspiel üben. 

Lücke zwischen Haltung und tatsächlichem Handeln

Lea Grosse während der Gruppenarbeit
Lea Grosse während der Gruppenarbeit

Die Workshop-Leiterin Lea Grosse stellte eine zentrale Erkenntnis in den Mittelpunkt: Klimakommunikation funktioniert nicht einheitlich, sondern muss sich an unterschiedliche Zielgruppen und ihre jeweiligen Werte anpassen. 

Zum Einstieg wurde deutlich, wie unterschiedlich Menschen auf Klimathemen blicken. Die Teilnehmenden ordneten sich verschiedenen Bildern und Darstellungen zu und machten damit sichtbar, dass Wahrnehmung und Zugang stark variieren. 

Darauf aufbauend griff der Workshop Erkenntnisse von More in Common Deutschland auf: Die Zustimmung zum Klimaschutz ist in Deutschland hoch und es besteht ein breites gesellschaftliches Mandat. Dennoch bleibt eine Lücke zwischen Haltung und tatsächlichem Handeln. Ein Grund dafür ist die pluralistische Ignoranz – so Lea Grosse: Viele Menschen orientieren sich an einer verzerrten Wahrnehmung darüber, wie andere zum Klimaschutz stehen. Gleichzeitig sehen sich viele selbst als überdurchschnittlich engagiert und erwarten eher von anderen, mehr zu tun.

Wer Menschen für mehr Klimaschutz erreichen will, muss an Werte, Lebensrealitäten und Perspektiven anknüpfen

Netzwerken und Interaktion

In Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmenden anschließend mit Personas, die auf den gesellschaftlichen Typen von More in Common basieren. Zunächst wurden eigene Werte reflektiert, anschließend die Werte der jeweiligen Persona herausgearbeitet. Darauf aufbauend formulierten die Gruppen einen bestehenden Text so um, dass er gezielt auf ihre Persona zugeschnitten ist. 

Die zentrale Erkenntnis: Nicht die Menge an Informationen entscheidet, sondern ihre Passung. Entscheidend ist, wie Inhalte formuliert werden, um Menschen tatsächlich zu erreichen und einen Zugang zu schaffen. Wer Menschen erreichen will, muss an Werte, Lebensrealitäten und Perspektiven anknüpfen – erst dann entsteht Wirkung. 

Die zwei Stunden waren schnell vorüber, ehe die Teilnehmenden den Abend bei einem Imbiss und mit Netzwerken ausklingen ließen.

„Ich habe viel mitgenommen“ ,“spannender Workshop“ „tolle Referenten“ – das Feedback war durchweg positiv und so war der Abend von Klimalust anstelle von Klimafrust geprägt.

Bilder: Ludmilla Parsyak Photography

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