Im Mittelpunkt dieser Reise stand die Frage, ob die Vulkaninsel im Nordatlantik für uns ein inspirierendes Vorbild in den Bereichen Energiewirtschaft und Public Management sein kann.
Aufgrund seiner einzigartigen Lage und den geologischen Besonderheiten verfügt Island über natürliche Energiequellen im Überfluss. Die erneuerbaren Energien machen das Land zu einem interessanten Wirtschaftsstandort und Forschungssektor. Island sieht sich zudem als älteste Demokratie Europas. Die isländische Gesellschaft hat eine beindruckende zivilgesellschaftliche Entwicklung vorzuweisen und liefert Lösungen u.a. bei der Bürgerbeteiligung oder der Gestaltung von Transformationsprozessen.
Island: Energiegewinnung aus Geothermie
Auf dem Programm der Exkursion standen neben der touristischen Erkundung der Insel u.a. eine Diskussionsrunde in der Stadtverwaltung Reykjavik, eine Führung im Geothermiekraftwerk Hellisheidi, ein Austausch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Energieunternehmens, ein Besuch in einem Gewächshaus sowie ein Workshop und eine Autorenlesung an der University of Island. Was wir im Rahmen der Exkursion gesehen, erlebt und gelernt haben, haben wir in vier kurzen Filmen festgehalten.
Aus Sicht der energiewirtschaftlichen Studierenden war besonders das Thema „Energiegewinnung auf Island“ interessant. Geothermie kann auch für uns in Darmstadt am nördlichen Ende des seismisch aktiven Oberrheingrabens in Zukunft vermehrt eine Rolle spielen. Der Besuch des größten Geothermiekraftwerks ermöglichte uns Einblicke in die geologische Aktivität Islands, die Geschichte der Energienutzung sowie in die technischen Aspekte des Kraftwerks.
Auf dem Gelände des Kraftwerks befindet sich auch das Carbon Capture Storage Projekt (CCS) von Carbfix. CO₂ wird in Wasser gelöst und in unterirdische Basaltgesteinsschichten injiziert, wo es zu stabilen Mineralen kristallisiert. So lässt sich der Treibhausgas-Fußabdruck von Industrieanlagen und Kraftwerken dauerhaft reduzieren. Für uns als Studierende der Energiewirtschaft ist dies ein spannendes Beispiel für eine zukunftsweisende Technologie zur CO₂-Speicherung als ein Beitrag zum Entzug CO₂ von aus der Atmosphäre.
Island gilt als Vorreiter bei erneuerbaren Energien. Stimmt das so?
Große Mengen an klimafreundlicher Energie stehen einer relativ kleinen Bevölkerung gegenüber.
Neben der Erzeugung ist auch die Nutzung von Energie ein wichtiges Thema. Große Mengen an klimafreundlicher Energie stehen einer relativ kleinen Bevölkerung gegenüber. Ein großer Überschuss an Energie bedeutet, dass diese relativ günstig vorhanden ist und damit auch extensiver genutzt wird. Zudem macht dies die Insel zu einem attraktiven Standort für energieintensive Unternehmen. Für uns war es interessant, zu erfahren, ob das Thema Energieeffizienz wie in Deutschland eine wichtige Rolle spielt.
Island gilt, wie dargestellt, als Vorreiter bei erneuerbaren Energien. Im Laufe der Exkursion haben wir uns die Frage gestellt, wie konsequent Klimaschutz darüber hinaus betrieben wird. Uns überraschte, dass die Pro-Kopf-Emissionen in Island im Jahr 2023 höher lagen als in Deutschland, 8,79 metrische Tonnen CO2 pro Person in Island im Vergleich 7,06 metrische Tonnen CO2 pro Person in Deutschland (vgl. Destatis 2025). Dabei emittierte die Stromerzeugung im Jahresdurchschnitt 2023 in Deutschland 371 CO2/kWh und in Island 7,3 g CO₂/kWh (vgl. Annual electricity data, Ember; Annual report 2023, Reykjavik Energy).
Spielt Effizienz in Island keine Rolle?
Die Gründe sind vielfältig: Besonders zu erwähnen sind die Herstellung von Primäraluminium, dessen Elektrolyseprozess unvermeidbares CO2 als Reaktionsprodukt erzeugt, sowie der Flugverkehr, der durch die zunehmende Bedeutung des Tourismus für die isländische Wirtschaft, nach der Pandemie wieder zunimmt. Gemeinsam waren die Emissionen in diesen Bereichen im Jahr 2022 für fast 60 % aller isländischen CO2-Emissionen verantwortlich (vgl. International Monetary Fund. European Dept. 2022). Uns interessierte aber auch, wie isländische Studierende den Klimaschutz bewerten, ob sie finden, dass die isländische Regierung genug unternimmt und was sie für mehr Klimaschutz unternehmen. Wir haben festgestellt, dass nicht alle ausreichend darüber informiert sind, wie hoch ihr eigener Energieverbrauch tatsächlich ist und dass der Einsatz erneuerbarer Energien nicht automatisch mit vollständigem Klimaschutz gleichzusetzen ist. Einige Interviewpartner waren überrascht, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in Island zu den höchsten weltweit zählt, und wiesen darauf hin, dass günstige Energie zwar Wohlstand schafft, aber ohne Effizienzmaßnahmen auch zu übermäßigem Ressourcenverbrauch führen kann.
Unsere Reise bot vielfältige Eindrücke, die unseren Blick auf das Thema Energie nachhaltig erweitert haben. Besonders beeindruckt hat uns die Flexibilität der isländischen Bevölkerung im Umgang mit einer sich stetig wandelnden Umwelt – ein inspirierendes Beispiel für Anpassungsfähigkeit und Weitblick. An den unterschiedlichsten Orten durften wir wertvolle Impulse mitnehmen und sind dankbar, dass diese Erfahrung möglich war.
Interesse geweckt?
Hier findest du weitere Teile der Island Serie:
Teil 2: Island ohne fossile Energien: Geothermie, günstiger Strom & Erkenntnisse für Deutschland
Teil 3: Carbon Capture and Storage mit CarbFix Projekt auf Island
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