In der 43. Folge des „Podcasts zur Energiezukunft“ spricht Katharina Klein mit Colette Rückert-Hennen, Vorständin und Arbeitsdirektorin der EnBW AG, zuständig für die Bereiche Personal, Recht sowie Corporate Real Estate Management, über das Thema Frauen in der Energiewirtschaft – für Colette Rückert-Hennen ist das weit mehr als ein Diversity-Thema. Für sie ist es ein Herzensthema, das auf eigenen Erfahrungen in einer männerdominierten Branche beruht.
Sie macht deutlich: „Es ist ganz wichtig, dass wir Frauen einstellen, aber nicht, weil sie Frauen sind.“ Ihr geht es um Chancengerechtigkeit – und um die Realität, dass Unternehmen auf hochqualifizierte Frauen „nicht verzichten können, wenn wir weiter erfolgreich sein wollen“– und darüber, warum das Thema längst mehr als eine reine Debatte über „Diversity“ ist. Colette Rückert-Hennen verbindet persönliche Erfahrungen mit einem klaren Blick auf Strukturen und Leistung: „Es ist ganz wichtig, dass wir Frauen einstellen, aber nicht, weil sie Frauen sind.“ Entscheidend sei Chancengerechtigkeit – und die Realität, dass Unternehmen auf hochqualifizierte Frauen „nicht verzichten können, wenn wir weiter erfolgreich sein wollen“.
Warum Frauen die Energiewirtschaft braucht – als Innovations- und Zukunftstreiber
Frauen in der Energiewirtschaft stehen für eine Erweiterung von Perspektiven und Kompetenzen. In einem Sektor, der gleichzeitig Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demografiewandel bewältigen muss, macht Vielfalt Organisationen anpassungsfähiger. „Vielfältige Teams sind wahnsinnig wichtig für die zukünftige Entwicklung unserer Produkte, unserer Ideen, der Innovation“, sagt Rückert-Hennen. Studien bestätigen dies: Divers aufgestellte Unternehmen entscheiden schneller, treffen präzisere Kundenannahmen und sind wirtschaftlich erfolgreicher. Kurz: Ohne Frauen verliert die Energiewende Tempo.
Care-Arbeit als systemische Bremse – und Verantwortung der Arbeitgeber
„Care-Arbeit ist für die Frauen sicherlich der Punkt Nummer eins, warum sie Top-Management-Rollen nicht so gerne annehmen.“ Mit diesem Satz fasst Colette Rückert-Hennen den Kern des Problems zusammen. Über 70 Prozent der Frauen tragen nach wie vor die Hauptverantwortung für Familie und Pflege. Damit werden Karriereentscheidungen häufig nicht durch fehlende Ambition, sondern durch strukturelle Rahmenbedingungen beeinflusst. Für Arbeitgeber bedeutet das: Wer Talente halten will, muss Führung neu denken – mit flexiblen Zeitmodellen, mobiler Arbeit und klarer Unterstützung in Betreuungsfragen.
Führung in Teilzeit – Modell für Leistung und Lebensrealität
Für Colette Rückert-Hennen ist moderne Führung keine Frage von ständiger Anwesenheit: „Unser Job ist, flexible Arbeitszeiten zu gewährleisten und Führen in Teilzeit möglich zu machen.“ Bei der EnBW werden geteilte Führungsverantwortung und Expertinnenlaufbahnen systematisch gefördert. Es geht dabei nicht um Wohlfühlpolitik, sondern darum, Leistung unter realistischen Bedingungen aufrechtzuerhalten. Wenn Führung an Lebensphasen anpassbar wird, gewinnen Frauen und Männer gleichermaßen – und Teams bleiben stabil durch Erfahrung statt Dauerfluktuation.
Transparente Recruiting-Prozesse schaffen Chancengerechtigkeit
„Wir brauchen transparente Prozesse – Frauen müssen sich auf jede Stelle bewerben können.“ Colette Rückert-Hennen spricht von klaren Verfahren statt Absichtserklärungen. Bei der EnBW werden alle Positionen ausgeschrieben – und grundsätzlich auch in Teilzeit gedacht, bis zu 75 Prozent im oberen Management. Dazu kommen objektive Auswahlverfahren mit vergleichbaren Aufgaben, divers besetzten Panels und Schulungen zu unbewussten Vorurteilen für Entscheider
Das Ergebnis: Qualifizierte Frauen werden sichtbar und können sich durchsetzen – nicht aufgrund von Quoten, sondern durch faire Verfahren.
Warum Frauen die besseren Zukunftsmanagerinnen sein können
Frauen bringen nach Frau Rückert-Hennens Erfahrung oft eine stärkere systemische Sicht mit – „ein größeres Gesamtverständnis, mehr Einbezug anderer Perspektiven und eine hohe Teamorientierung“. In Transformationsphasen sind diese Fähigkeiten entscheidend. Empathische Kommunikation, Risikobewusstsein und interdisziplinäres Denken gelten zunehmend als Kernkompetenzen für Energieunternehmen im Umbruch. Damit werden Frauen nicht zur Quote, sondern zur Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit.
Ausblick: Vielfalt in Teams sind die Treiber der Energiewende
Colette Rückert-Hennen blickt nach vorn: „Wenn wir die Energiewende wirklich schaffen wollen, brauchen wir jede kluge Kraft, egal ob männlich oder weiblich.“ Entscheidend sei, dass junge Frauen sich in dieser Branche wiederfinden – mit sichtbaren Role Models, frühem MINT-Zugang und Mentoring-Programmen, die Selbstvertrauen stärken. Denn die Energiewirtschaft bietet Zukunft – nicht nur technologisch, sondern gesellschaftlich. Wer mehr Frauen in Führung bringt, beschleunigt nicht nur die Transformation – sondern macht sie nachhaltig.
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