Warum die Abkehr von Öl und Gas die beste Antwort auf aktuelle Krisen ist
Ende Juni wurden in Deutschland und Europa erneut Hitzerekorde gebrochen. Diese extremen Sommer belasten unsere Gesundheit und unseren Alltag spürbar. Sie erinnern uns eindrücklich daran, warum wir die Erderhitzung begrenzen müssen. Es geht dabei um den Schutz unserer Lebensgrundlage und unserer Zukunft.
Fast zeitgleich zeigt der Konflikt rund um die Straße von Hormus erneut die Verwundbarkeit unseres Energiesystems. Er weist deutliche Parallelen zu 2022 auf und führt vor Augen, wie schnell geopolitische Krisen auf die Zapfsäule oder die Heizkostenabrechnung durchschlagen.
Beides zeigt: Unsere Abhängigkeit von Öl und Gas ist ein direktes Risiko für unsere Gesundheit, die Wirtschaft und unseren Geldbeutel. Die Energie- und Mobilitätswende ist deshalb längst mehr als Klimapolitik – sie ist ein Modernisierungsprojekt für mehr Sicherheit, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit.
Fossile Krisen sind teure Krisen
Deutschland importiert jedes Jahr fossile Energieträger im Wert von rund 80 Milliarden Euro. In Krisenjahren liegt dieser Betrag deutlich höher. Damit steht es uns vor Ort nicht mehr zu Verfügung: für den Ausbau moderner Infrastruktur, sichere Arbeitsplätze und dauerhaft günstige Energie.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, welche Folgen das hat. Fossile Preisschocks treiben die Inflation und die Produktionskosten in die Höhe, belasten private Haushalte und zwingen den Staat zu milliardenschweren Notprogrammen wie dem Tankrabatt. Doch dieses Geld bekämpft die Symptome nur kurzfristig, anstatt uns dauerhaft aus der fossilen Preisfalle zu befreien.
Besonders betroffen sind Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen, für die Heizen und Mobilität einen großen Teil der monatlichen Ausgaben ausmachen. Auch Kommunen und soziale Einrichtungen geraten durch steigende Energiekosten unter Druck. Genau dieses Geld fehlt ihnen dann um vor Ort in moderne, unabhängige Energie und wirksamen Klimaschutz zu investieren.
Fossile Energien erzeugen heute Instabilität, Preisschwankungen und Unsicherheit. Deshalb sind die teuren Krisen unserer Zeit fossile Krisen.
Die Energiewende ist eine wirtschaftliche Chance – wir dürfen jetzt nicht den Anschluss verlieren
Deutschland hat sich längst erfolgreich auf den Weg gemacht. Mehr als die Hälfte des genutzten Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Energien. Batteriespeicher erleben einen rasanten Innovationssprung, Unternehmen elektrifizieren ihre Produktion, Kommunen investieren in klimaneutrale Wärmenetze. Ein deutliches Signal setzte das Jahr 2025, als erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft wurden.
Auch international nimmt die Dynamik zu. Grüne Technologien zählen weltweit zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweigen und sind längst zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Deshalb ist es jetzt entscheidend, dass Deutschland seine Technologieführerschaft behauptet und das Tempo mitgeht, das andere Nationen vorgeben.
Umso unverständlicher ist der aktuelle Kurs der Bundesregierung. Ausgerechnet jetzt werden zentrale Hebel für den Umstieg geschwächt: Das Gebäudeenergiegesetz wird aufgeweicht, der Ausbau erneuerbarer Energien droht an Dynamik zu verlieren und neue LNG-Infrastrukturen sowie zusätzliche Gaskraftwerke verfestigen alte, fossile Abhängigkeiten.
Jetzt kommt es auf die richtigen Prioritäten an
1. Effizienz ausbauen – Elektrifizierung ist der Schlüssel
Der Hebel liegt nicht im Ausbau fossiler Überkapazitäten, sondern in moderner intelligenter Nutzung. Denn die günstigste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Deshalb braucht es mehr Effizienz, unter anderem durch energetische Sanierung, die Nutzung von Abwärme und vor allem durch Elektrifizierung.
Je weniger Energie wir verbrennen und stattdessen auf Strom aus Wind und Sonne setzen, desto effizienter wird unser Energiesystem. Genau deshalb ist die Elektrifizierung in den Bereichen Wärme, Mobilität und großen Teilen der Industrie der entscheidende Hebel für die Unabhängigkeit von Öl und Gas.
Der große Vorteil: Heimischer erneuerbarer Strom ersetzt teure Energieimporte. Deshalb dürfen der Ausbau von Wind- und Solarenergie, Batteriespeichern sowie Netzen jetzt nicht ausgebremst werden.
2. Ehrlichkeit über die Zukunft von Erdgas
Wer Klimaneutralität bis 2045 ernst nimmt, muss offen aussprechen: Fossile Heizungen und große Teile der Gasnetze haben keine dauerhafte Zukunft. Je vorausschauender Politik, Kommunen und Energieversorger diesen Umstieg gemeinsam planen und kommunizieren, desto geordneter und wirtschaftlicher wird er gelingen. Viele Kommunen arbeiten bereits an der Umsetzung ihrer Wärmeplanung. Wo Wärmenetze langfristig die beste Lösung sind, müssen diese jetzt konsequent ausgebaut und dekarbonisiert werden.
Auch beim Thema „grüne Gase” kommt es auf Ehrlichkeit an. Grüner Wasserstoff und nachhaltige Bioenergie sind wertvolle Bestandteile des Energiesystems. Da sie aber absehbar ein knappes und teures Gut bleiben, gehören sie dorthin, wo Strom an seine Grenzen stößt: in Teile der Industrie, in den Luft- und Schiffsverkehr oder zur Absicherung der Stromversorgung. Millionen Haushalten mit Gasheizungen eine Zukunft mit „grünem Gas“ zu versprechen, weckt Erwartungen, die sich weder technisch noch wirtschaftlich erfüllen lassen.
3. Der Abschied von Öl und Gas muss sozial gelingen
Ein zügiger Umstieg beim Heizen ist der beste Schutz vor unkalkulierbaren Kosten. Je früher der Umstieg gelingt, desto besser lassen sich soziale Härten vermeiden.
Denn fossile Heizungen werden durch steigende CO₂-Preise, knappe grüne Gase und die Kosten immer weniger ausgelasteter Gasnetze langfristig teurer. Besonders betroffen sind Menschen mit niedrigem Einkommen und Mieter*innen, die ihre Heizungsart meist gar nicht selbst wählen können.
Deshalb braucht der Wandel einen starken sozialen Rahmen mit verlässlicher Förderung für Haushalte mit geringem Einkommen, warmmietenneutrale Sanierungen und gezielter Unterstützung für soziale Einrichtungen. Wer heute den Umstieg erleichtert, verhindert morgen hohe Kosten.
Die Abkehr von Öl und Gas ist kein Verzicht, sondern eine Investition
Ja, die Energiewende verlangt Investitionen. Das gilt jedoch auch für das fossile „Weiter so“ – mit dem Unterschied, dass dessen Rechnung jedes Jahr aufs Neue in Form von Energieimporten, Preisschocks, Klimaschäden und verlorenen Zukunftsmärkten kommt.
Von Kommunen über Unternehmen bis hin zu vielen anderen Ländern weltweit gehen bereits heute zahlreiche Akteure voran. Deutschland sollte diesen Weg entschlossen mitgehen.
Öl und Gas hinter uns zu lassen ist deshalb längst nicht mehr nur Klimapolitik. Er ist Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialpolitik zugleich. Und genau deshalb bedeutet es keinen Verzicht, sondern eine Investition in die lebenswerte und wirtschaftlich starke Zukunft unseres Landes.
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