Die neue Wasser-Wirklichkeit: Wie Dürre, Starkregen und Mikroplastik unsere Lebensgrundlage bedrohen

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Wasser gehört zu den wichtigsten Ressourcen der Menschheit. Es hält Ökosysteme am Leben und ist zugleich ein zentraler Pfeiler der Energieversorgung. Mit Wasser wird Strom erzeugt, und es schützt Kraftwerke und Industrieanlagen vor Überhitzung. Doch im Zuge des Klimawandels werden die verfügbaren Wassermengen immer schwerer kalkulierbar. In Dürrezeiten fehlt es an Wasser, nach Starkregen können Fluten ganze Landstriche verwüsten. 

Welche Beziehung müssen wir künftig zum Wasser entwickeln? Wie können sich Kommunen auf stark schwankende Pegelstände einstellen? Und wie lässt sich die Verschmutzung unserer Gewässer durch Mikroplastik eindämmen? 

Wasser – Nutzung, Konflikte und Lösungen für eine knappe Ressource

Mit diesen Fragen haben sich am 4. März 2026 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden im Design Offices Stuttgart Tower beschäftigt. In drei Workshops diskutierten sie mögliche Lösungen, bevor vier Expert*innen ihre Erkenntnisse auf dem Podium vor mehr als 100 Gästen vertieften. Trotz unterschiedlicher Perspektiven herrschte in einem Punkt Einigkeit: Unser Verhältnis zum Wasser muss sich grundlegend ändern. 

Bild: sandra göttisheim photographie

„Der Wettbewerb um Wasser wird immer härter. Deshalb haben wir von der Stiftung Energie & Klimaschutz gesagt: Wir müssen alle an einen Tisch holen – diejenigen, die Wasser für Energie und Wirtschaft brauchen, ebenso wie die, die das Ökosystem schützen wollen. Nur wenn diese Perspektiven zusammenkommen, können wir Lösungen finden.“

Katharina Klein
Vorstand der Stiftung Energie & Klimaschutz

Die Expertin für Nachhaltigkeit wies auch auf die Verteilungskonflikte hin, die sich aus der Wasserknappheit ergeben. Neben der Lebensgrundlage als Trinkwasser gebe es einen steigenden Bedarf aus LandwirtschaftIndustrie sowie Nahrungsmittelbranche und Energieerzeugung. 

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„Die Wasserkraft steht vor großen Herausforderungen: Trotz häufigerem Starkregen, längere Trockenphasen und neuen Genehmigungsverfahren, müssen wir die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie erfüllen. Das lässt sich nur im Schulterschluss aller Beteiligten bewältigen.“

Andreas Mühlig
Aufsichtsratsvorsitzender der Schluchseewerk AG

Der EnBW-Manager betonte, dass Wasserkraftwerke rentabel betrieben werden müssen. Sollte sich Zukunftsinvestitionen nicht lohnen, sei auch die Stilllegung von Anlagen eine Option 

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„Zu Hause können alle was gegen Mikroplastik tun – vor allem durch die richtige Art zu waschen. Wer die Schleuderdrehzahl und die Temperatur reduziert und ein geeignetes Waschmittel korrekt dosiert, kann den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt um bis zu 70 Prozent senken.“

Katrin Schuhen
Geschäftsführerin von Wasser 3.0

Die Gründerin des gemeinnützigen Greentech-Startups aus Karlsruhe setzt sich dafür ein, dass die Regulierung zum Thema Mikroplastik vorankommt. Zusammen mit der Industrie möchte sie außerdem zeigen, dass sich Umweltschutz lohnt – und auf diesem Weg sogar Kosten gesenkt werden können.

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„Der Klimawandel verändert unser Wasserangebot. Umso wichtiger ist es, dass sich junge Menschen dafür interessieren, wo unser Wasser herkommt und wie es zu uns gelangt.“

Mandy Saur
Referentin beim Verband für Energie- und Wasserwirtschaft

In einem Workshop stellte Mandy Saur ein prämiertes Projekt von Auszubildenden des Zweckverbandes der Landeswasserversorgung vor.  Der Verband für Energie- und Wasserwirtschaft fördert das Vorhaben. Die Berufsanfänger*innen präsentieren die Möglichkeiten der Wasserversorgung anhand eines Anhängers von der Aufbereitung über die Verteilung bis hin zum Chemielabor, in dem die wichtige Analysen stattfinden.  

„Allein für die Energieversorgung verbrauchen wir in Deutschland rund 220 Liter Wasser pro Person und Tag – und kaum jemand hat das überhaupt auf dem Schirm. Genau deshalb finde ich es wichtig, dass wir darüber sprechen und überlegen, wie wir diesen Verbrauch senken können.“

Valentin Eckmann
Bundesverband Junge Energie e. V.

Der Vorstandsvorsitzende des Netzwerks setzt sich für eine nachhaltige und gerechte Energiezukunft ein. Sein Verband arbeitet daran, dass Studierende, junge Fachkräfte und Unternehmen Wissen austauschen und die Energiewende mitgestalten.  

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„Krisenvorsorge konzentriert sich oft auf Stromausfälle. Doch ohne Strom fällt auch die Wasserversorgung aus – darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Markus Moser
Referatsleiter Gewässer, Hochwasserschutz und Gewässerökologie, Regierungspräsidium Stuttgart

In seinem Workshop beklagte der Experte, dass viele Kommunen die Gefahren von Hochwasser unterschätzen und zu wenig darüber wissen. Dabei gibt es ausreichend Daten, mit deren Hilfe sich Schäden im Ernstfall deutlich begrenzen lass

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„Starkregen wird durch den Klimawandel intensiver – darauf müssen wir uns einstellen. Wichtig ist, mehr Auffangflächen und Rückhaltebecken zu schaffen, damit das Wasser nicht ungenutzt abfließt, sondern für trockene Zeiten gespeichert wird.“

Katharina Lengfeld
Wissenschaftlerin beim Deutschen Wetterdienst

Die Expertin für Hydrometeorologie beschäftigt sich mit der Analyse meteorologischer Daten zu extremen Niederschlägen. Sie arbeitet seit Jahren an der Auswertung von Radardaten und der Erstellung großräumiger Kataloge von Starkregenereignissen, um deren Folgen besser zu verstehen und nutzbar zu machen.  

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„Fließgewässer müssen durchgängig sein, also für Fische passierbar, sodass sie flussaufwärts wandern können und flussabwärts sicher an Kraftwerken vorbeikommen, ohne in die Turbinen zu geraten. Gleichzeitig muss genug Wasser im ursprünglichen Flussbett bleiben, damit dort Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.“

Finn Zenker
Vorstand NABU Baden-Württemberg

Der NABU-Experte kritisierte auf dem Podium, dass insbesondere kleine Wasserkraftwerke oft nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um ihre Anlagen so umzurüsten, dass Gewässer für Fische wieder durchgängig werden. Damit machte er einen Zielkonflikt deutlich – zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Schutz von Flussökosystemen. 

Bild: sandra göttisheim photographie

„Kleine Wasserkraftwerke liefern CO₂-freien Strom, arbeiten grundlastfähig und stärken durch ihre Dezentralität die regionale Wertschöpfung. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Stabilität der Stromnetze. Entscheidend ist, dass Wasserkraft und Ökologie dabei gemeinsam gedacht werden.“

Julia Neff
Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V.

Wasserkraftwerke können Strom erzeugen, ohne Flüsse und Bäche zu schädigen, betonte Julia Neff auf der Podiumsdiskussion und widersprach damit der NABU-Position. Die Betreiber in Baden-Württemberg setzten die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie um. Ziel des EU-Regelwerks ist es, alle Gewässer bis spätestens 2027 in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen. 

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„Ein spannender und unterhaltsamer Debattenabend. Es gab Kontroversen mit sehr gegensätzlichen Standpunkten zum Thema Wasserkraft – und keine Kuscheldiskussionen.“

Jürgen Scheurer
Geschäftsführer Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg e.V.

Für den langjährigen Energiemanager ist die Wasserkraft in Baden-Württemberg eine Erzeugungsart, die noch Potenzial besitztEr setzt sich für den Ausbau aller erneuerbaren Energien ein – um die Klimaziele zu erreichen und die Wirtschaft mit ausreichend Strom zu versorgen 

Bild: sandra göttisheim photographie

„Um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, müssen wir auf mehreren Feldern vorankommen: Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien spielen auch Technologien rund um grünen Wasserstoff eine wichtige Rolle.“

Lavinia Appold
Preisträgerin Energie-Campus

Die Nachwuchswissenschaftlerin erhielt im Rahmen des Energie-Campus der Stiftung Energie- und Klimaschutz eine Auszeichnung für ihre Dissertation. Sie erforschte  einen Gasanalyse- und einen Massendurchflusssensor für den Einsatz an Wasserstofftankstellen 

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Stiftung Energie & Klimaschutz

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