Zwischen dem Kolosseum und dem Circus Maximus verändert sich derzeit einer der historisch dichtesten Orte Roms. Die Via di San Gregorio, die lange Zeit als stark befahrene Durchgangsstraße galt, wird zu einem Raum umgestaltet, der Fußgänger*innen und Radfahrer*innen Vorrang gibt. Nur noch wenige Fahrzeuge dürfen hier künftig fahren: Der öffentliche Raum wird so zu einem Ort des Aufenthalts, der Bewegung und der Begegnung.
Ein 50 Kilometer langes Netz aus Rad-& Fußwegen
Foto: Isabella Nauen
Die Neugestaltung ist Teil des GRAB-Projekts (Grande Raccordo Anulare delle Bici), eines 50 Kilometer langen Rad- und Fußwegenetzes, das die wichtigsten historischen und kulturellen Achsen Roms verbinden soll. Das GRAB ist kein Einzelprojekt, sondern Bestandteil des städtischen Piano Urbano della Mobilità Sostenibile (PUMS), also des Plans für nachhaltige Mobilität, den die Stadt Rom 2022 verabschiedet hat. Ziel des Plans ist es, den Anteil des motorisierten Individualverkehrs bis 2030 deutlich zu senken, die Luftqualität zu verbessern und den Zugang zu öffentlichen Räumen gerechter zu gestalten.
Verantwortlich für die Planung und die Umsetzung sind die städtischen und regionalen Behörden. Finanziert wird das Projekt teilweise über Mittel aus dem nationalen Wiederaufbauprogramm PNRR (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza), das nachhaltige Infrastrukturmaßnahmen in ganz Italien fördert. Die Bauarbeiten auf der Via di San Gregorio begannen im Sommer 2024.
Das „neue“ Rom
Der römische Bürgermeister Roberto Gualtieri unterstützt die Initiative aktiv. Er betonte bei der Vorstellung der Bauarbeiten, dass die Umgestaltung der Via di San Gregorio symbolisch für ein „neues Rom“ stehe: Ein Rom, das öffentliche Räume zurückgewinnt und seine monumentalen Bereiche neu nutzt, statt sie nur als Kulisse für den Verkehr zu betrachten.
Vom Faschismus in eine grünere Zukunft
Foto: Isabella Nauen
Die Via di San Gregorio hat eine komplexe Geschichte. Schon in der Antike verlief hier eine Straße, die das Tal des Kolosseums mit den Hängen des Palatin verband. In der faschistischen Zeit wurde sie, ähnlich wie die Via deiFori Imperiali, verbreitert und als Teil einer monumentalen Sichtachse zwischen Kolosseum und Circus Maximus gestaltet. Diese Eingriffe sollten die antiken Monumente freilegen und zugleich die Macht des faschistischen Regimes inszenieren. Heute wird dieselbe Achse neu interpretiert: Nicht mehr die Inszenierung der Monumentalität steht im Mittelpunkt, sondern die Schaffung eines nutzbaren, zugänglichen und sicheren öffentlichen Raums.
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