Elektromobilität ist der Standard
Als ich mich im Herbst letzten Jahres aufmachte, um an der Technischen Universität Dänemarks (DTU) zu forschen, wurde mir schnell klar, dass sich das dänische Energiesystem in einigen Punkten deutlich vom deutschen unterscheiden muss. Kaum hatte ich mit meinem benzinbetriebenen Kraftfahrzeug von Puttgarden auf deutscher Seite nach Rødbyhavn auf dänischer Seite übergesetzt, fiel mir auf, wie viele elektrisch betriebene Fahrzeuge auf einmal die Straßen querten. Wie selbstverständlich parkten vor meiner Wohnung in Vedbæk, etwas außerhalb von Kopenhagen, ein ums andere Mal diverse brandneue Elektroautos. Was in Deutschland noch eine Ausnahme darstellt, ist in Dänemark – wie in vielen anderen nordischen Ländern – bereits Realität: Die Menschen wollen die Elektromobilität! Neben den unzähligen Teslas im Stadtbild vermutete ich gleich zu Beginn meiner zweimonatigen Reise, dass mich neben der Elektrifizierung im Verkehr, auch die Elektrifizierung des Wohnsektors interessieren würde. Schon bei der Ankunft an meinem Wohnort für die kommenden Wochen fiel mir auf, dass im Garten eine elektrische Wärmepumpe stand. Wie ich mit der Zeit merken würde, prägen solch elektrisch betriebenen Wärmepumpen das Bild der Vororte von Kopenhagen und sind typisch für die kleinen Häuser und Bungalows außerhalb der Großstadt.
Was elektrische Wärmepumpen und Elektroautos für das Stromnetz bedeuten
Foto: Christian Nerowski
Eine breite Akzeptanz von Elektroautos und Wärmepumpen musste in Dänemark bereits Teil des Alltags, und keine bloße Zukunftsvision mehr sein, dachte ich mir in der Folge. Es musste den Dänen gelungen sein, dass Stromnetz auch unter diesen Vorzeichen sicher zu betreiben. Ich fragte mich, wie das Ganze funktionierte, und recherchierte zunächst einmal, wie es überhaupt dazu gekommen war.
Allem Anschein nach lässt sich der Erfolg auf sehr klare politische Rahmenbedingungen zurückführen:
– Großzügige Förderprogramme für Wärmepumpen
– Steuerliche Vorteile für jedes Elektrofahrzeug
– Hohe Abgaben auf fossile Energieträger
Eine klare langfristige energiepolitische Strategie mit wegweisenden Entscheidungen hatte demnach dazu geführt, dass in der Vergangenheit immer mehr Haushalte auf elektrische Technologien umgestiegen waren.Für das Stromnetz bedeutet dies jedoch immense Herausforderungen. Der Stromverbrauch erhöht sich und schwankt stärker, wodurch Netze lokal an ihre Grenzen stoßen können. Insbesondere das schwierig zu prognostizierende Ladeverhalten von Elektroautonutzern wird auch in Deutschland immer wieder in die Debatten eingebracht. Ich vermutete, dass sich auch die Dänen mit diesen Fragen auseinandersetzten.
In Gesprächen mit Forschenden an der DTU wurde mir schnell bewusst, wie intensiv sich Dänemark tatsächlich mit diesen Fragen beschäftigte. Ein zentrales Thema stellte dabei die Flexibilität im Stromsystem dar, also die Fähigkeit, Verbrauch und Erzeugung zeitlich besser aufeinander abzustimmen. Prinzipiell müssen Erzeugung und Verbrauch nämlich immer im Einklang sein, d.h. exakt gleich groß. Um das zu erreichen, wurden in Dänemark viele Geräte derart ausgestattet und konfiguriert, dass sie ansteuerbar sind und sich dem Zustand des Netzes dynamisch anpassen können.
Beispiele hierfür sind:
– Wärmepumpen, die z.B. bevorzugt laufen, wenn viel Windstrom verfügbar ist
– Elektroautos, die intelligent geladen werden können
– Batteriespeicher in Haushalten
Diese Technologien können dabei helfen, das Stromnetz stabil zu halten, obwohl immer mehr Geräte elektrisch betrieben werden. Entscheidend ist im Zuge dessen die penible Regelung der einzelnen Anlagen zum Wohl des Gesamtsystems.
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