Beschleunigung der Wärmewende: Digital, wirtschaftlich und sozial

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Sorgenkind Wärmewende

Der Gebäudesektor ist einer der großen Hebel der Energiewende – und zugleich einer ihrer schwierigsten Fälle. Rund 35 bis 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf Gebäude. Trotzdem kommt die Sanierung vielerorts nur langsam voran: Die Kosten steigen, Fachkräfte fehlen, Förderfragen sind komplex und CO₂-Preise erhöhen den Druck.

Wie also bringt man Bewegung in einen Sektor, in dem jedes Gebäude anders ist und jede Investitionsentscheidung einzeln getroffen wird?

Darüber spricht Ulrich Janischka in der neuen Folge des „Podcasts der Energiezukunft“ mit Dr. Christoph Holzmann, von &ENSA. Das Berliner Start-up will energetische Sanierung einfacher machen – mit weniger Schnittstellen, mehr Tempo und einem klaren Blick auf das Machbare.

Energetische Sanierung im Altbau: Komplexität reduzieren

Wer über Gebäudesanierung spricht, denkt schnell an neue Fenster, Fassadendämmung oder Heizungstausch. Doch die eigentliche Herausforderung beginnt früher: bei der Frage, wie Eigentümerinnen und Eigentümer überhaupt ins Handeln kommen.

Holzmann beschreibt Sanierung deshalb als Veränderungsmanagement. Die Kosten sind sofort sichtbar, der Nutzen oft erst langfristig: weniger Energieverlust, niedrigere Heizkosten, geringere CO₂-Belastung und ein Gebäude, das auch in Zukunft noch funktioniert.

Sein Punkt: Die Debatte war lange zu stark von Verboten und Überforderung geprägt. Dabei geht es im Kern darum, Gebäude fit für die nächsten Jahrzehnte zu machen.

Energetische Sanierung scheitert oft nicht am Willen, sondern an der Komplexität. Energieberatung, Architektur, Fördermittel, Technik, Bauunternehmen, Zeitpläne und Kostenkontrolle – schnell wird aus einem Sanierungsprojekt ein Koordinationsmarathon.

&ENSA bündelt Analyse, Planung und Umsetzung der Sanierung n einem integrierten Prozess. Eigentümerinnen und Eigentümer sollen nicht jede Schnittstelle selbst steuern müssen, sondern eine klare Entscheidungsgrundlage bekommen: Was bringt die Maßnahme? Was kostet sie? Welche Förderung ist möglich?

Im besten Fall kann ein Mehrfamilienhaus so innerhalb von zwölf bis vierzehn Monaten analysiert, geplant und saniert werden. Genau dieses Tempo braucht der Gebäudesektor.

Gebäudesanierung: Pragmatismus schlägt Perfektionismus

Eine zentrale Botschaft der Folge: Die Gebäudewende gelingt nicht, wenn jedes Haus sofort zum perfekten Vorzeigeprojekt werden muss. Entscheidend ist, dass möglichst viele Gebäude besser werden – Schritt für Schritt, aber mit spürbarer Wirkung.

Holzmann plädiert für Pragmatismus. Manchmal bringt der Heizungstausch viel, manchmal ist zuerst die Gebäudehülle entscheidend. Fassade, Fenster, Dach, Kellerdecke oder Fernwärmeanschluss: Die richtige Lösung hängt vom Gebäude ab.

Digitale Gebäudemodelle helfen dabei, diese Entscheidung sichtbar zu machen. Sie zeigen, wo Energie verloren geht und welche Kombination aus Maßnahmen den größten Effekt erzielt. So wird aus einem komplexen Problem ein konkreter Sanierungsfahrplan.

Die Sanierung muss für alle bezahlbar sein

Sanierung kostet Geld – und genau deshalb wird sie politisch und gesellschaftlich sensibel. Denn Investitionen können sich auf Mieten auswirken. Gleichzeitig profitieren Mieterinnen und Mieter oft von geringeren Heizkosten und besserem Wohnkomfort.

Holzmann macht deutlich: Klimaschutz und soziale Verantwortung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer Gebäude dekarbonisiert, muss auch fragen, wie die Kosten verteilt werden und was für die Menschen im Haus zumutbar ist.

Die eigentliche Frage lautet also nicht: Sanieren oder nicht sanieren? Sondern: Wie gelingt Sanierung so, dass Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und soziale Verträglichkeit zusammenpassen?

Fossile Wärme wird langfristig riskanter und teurer Unsanierte Gebäude geraten zunehmend unter Druck. Ein Grund dafür ist die CO₂-Bepreisung fossiler Brennstoffe. Wer mit Öl oder Gas heizt, wird steigende Kosten in den kommenden Jahren stärker spüren – direkt oder über die Heizkostenabrechnung.

Für Holzmann ist der CO₂-Preis ein wichtiges Signal: Fossile Wärme wird langfristig riskanter und teurer. Gleichzeitig brauchen Eigentümerinnen und Eigentümer verlässliche politische Rahmenbedingungen, um Investitionen planen zu können.

Die Botschaft ist klar: Abwarten ist keine neutrale Entscheidung. Es kann teuer werden – durch höhere CO₂-Kosten, steigende Baupreise, auslaufende Förderungen und knappe Kapazitäten am Markt.

Digitalisierung kann zum Turbo der Gebäudesanierung werden

Besonders spannend wird es beim Blick auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Schon heute können digitale Zwillinge zeigen, wie ein Gebäude energetisch funktioniert und welche Sanierungsschritte sinnvoll sind.

Holzmann sieht darin aber erst den Anfang. Gerade bei wiederkehrenden Prozessen könnte KI die Sanierung deutlich beschleunigen. Denn nicht jedes Gebäude braucht eine komplett neue Lösung – viele Aufgaben müssen vor allem schneller, verlässlicher und skalierbarer werden.

Seine Mahnung: Digitalisierung ist mehr als ein neues Tool. Wer wirklich digital arbeiten will, braucht passende Prozesse, gute Daten, klare Verantwortlichkeiten und Menschen, die Veränderung mittragen.

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