Der Amazonasregenwald als Schauplatz der Klimapolitik

Nils Michalke

Energie-Reporter

Nils Michalke ist als Energie-Reporter in Belém und gibt Einblicke in die diesjährigen Themen der Weltklimakonferenz.

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25. November 2025
amazonas-regenwald-abholzung
Bild: istockphoto.com/Paralaxis

Auch in diesem Jahr berichten Studierende für uns als Energie Reporter:innen von der 30. Weltklimakonferenz (COP30) aus Belem, Brasilien. Interessante, individuelle Einblicke in tagesaktuelle Geschehnisse und die Themen der COP30 werden hier dokumentiert. Dieser Beitrag hier wurde uns von Nils Michalke – er studiert an der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology in Kenia – zur Verfügung gestellt. Er hat bereits für die Stiftung als Energie-Reporter aus andern Ländern berichtet.

Bedeutung und langfristiger Schutz?

Wenn etwa 20–25 % der Gesamtfläche dauerhaft degradiert oder zerstört werden, könnte der Amazonas großflächig in eine Savanne übergehen.

Thomas E. Lovejoy & Carlos Nobre

Als größtes tropisches Waldgebiet der Erde umfasst das Biom etwa 6,7 Millionen Quadratkilometer und ist damit ein zentraler Stabilitätsfaktor für das Weltklima. Das Gebiet beherbergt rund 10 % der weltweiten terrestrischen Artenvielfalt. Studien schätzen, dass der Amazonasregenwald zwischen 150 und 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichert. Damit gehört er zu den wichtigsten terrestrischen Kohlenstoffsenken überhaupt. Dieser gewaltige Speichereffekt macht den Regenwald zu einem natürlichen Klimaschützer: Geht Wald verloren, wird gespeicherter Kohlenstoff als CO₂ freigesetzt – mit massiven Folgen für die globale Erwärmung. Zudem warnt die Wissenschaft vor einem Ökosystem-Kipppunkt. Wenn etwa 20–25 % der Gesamtfläche dauerhaft degradiert oder zerstört werden, könnte der Amazonas großflächig in eine Savanne übergehen. Die Folgen wären gravierend: der Verlust von Artenvielfalt, veränderte Regenmuster in Südamerika und weltweit sowie ein massiver zusätzlicher CO₂-Ausstoß. 

Die Tropical Forests Forever Facility: Ein neuer Finanzierungsansatz für globalen Waldschutz

ufer-amazonas-regenwald

Auf Initiative der brasilianischen Regierung wurde auf der COP30 ein neuer Finanzierungsmechanismus zum Waldschutz gestartet: die Tropical Forests Forever Facility (TFFF). Ziel ist es, nicht nur den Amazonas, sondern alle tropischen Wälder weltweit dauerhaft zu schützen. Deutschland beteiligt sich daran mit einer Milliarde Euro. Die Funktionsweise: Ein Investmentfonds wirbt Sponsorenkapital ein und gibt Markt-Schuldtitel aus. Das Geld wird dann in Anlagen investiert. Erträge werden zunächst verwendet, um die Schulden zu bedienen um Zinsen auf das Sponsorenkapital auszubezahlen. Alle weiteren Erträge gehen an die Tropical Forest Forever Facility. Die Facility leistet dann jährliche Zahlungen an tropische Waldländer, die bestimmte Standards zum Schutz und Erhalt der Wälder einhalten. Die Zahlungen sind proportional zur Waldfläche, wobei es Abzüge für mangelhaften Waldschutz gibt. Die exakte Höhe der Zahlungen hängt von den Erträgen des Investmentfonds ab, wobei zu Beginn ca. 4 USD pro Hektar pro Jahr erwartet werden. Die Empfängerländer haben die volle Entscheidungshoheit über die Verwendung der Gelder, müssen jedoch mindestens 20% der Gelder von unter der Entscheidungshoheit von indigenen Völkern verwalten lassen. Das Modell unterscheidet sich erheblich von bisherigen projektbasierten Waldschutzfinanzierungen, da es pauschal die Existenz von tropischem Regenwald, nicht spezifische Projekte, finanziell belohnt.

Ein umstrittenes Modell: Wer profitiert wirklich?

Ein erheblicher Anteil der TFFF-Zahlungen werde letztlich an die brasilianische Regierung gehen, die das Modell – nicht ganz uneigennützig – selbst initiiert hat.

Mary Louise Malig & Pablo Solón

Doch der Vorschlag sorgt auch für Kritik. Ein breites Bündnis internationaler NGOs, indigener Organisationen und sozialer Bewegungen warnt vor einem „false solution“–Risiko. Hauptkritikpunkt ist die Monetarisierung von Wäldern, die Marktlogiken über soziale und kulturelle Werte stellen könnte. Die Höhe der Auszahlungen werde weder dem Wert für lokale und indigene Gemeinschaften noch den realen Kosten für effektiven Waldschutz gerecht. Noch problematischer ist dies, da der Großteil der Mittel über Nationalregierungen laufen würde, während nur ein kleiner Teil an indigene Gruppen gehen soll. Dass Gelder tatsächlich bei denen ankommen, die den Wald seit Generationen schützen sei nicht garantiert. Ein erheblicher Anteil der TFFF-Zahlungen werde letztlich an die brasilianische Regierung gehen, die das Modell – nicht ganz uneigennützig – selbst initiiert hat. Befürworter sehen in der TFFF eine Chance, stabile und langfristige Mittel zu schaffen – unabhängig von den üblichen, kurzzyklischen Projektfinanzierungen. Dadurch könnten Länder besser planen, Schutzmaßnahmen verstetigen und weniger abhängig von politischen Stimmungswechseln sein.

Symbolpolitik oder echte Wirkung? 

Der Amazonasregenwald ist dabei mehr als die Kulisse dieser Weltklimakonferenz. Er ist einer der entscheidenden Faktoren dafür, ob die globalen Klimaziele überhaupt erreichbar bleiben. Neue Finanzierungsmechanismen wie die TFFF mögen innovative Wege öffnen – doch sie bergen ebenso große Risiken. Daher ist es zentral, genau hinzuschauen:  Wer profitiert? Wie wird Transparenz gesichert? Und stehen indigene Rechte sowie die lokalen Hüter des Waldes wirklich an erster Stelle? Nur wenn diese Fragen überzeugend beantwortet werden, kann der Schutz der tropischen Wälder in Einklang mit indigenen und lokalen Gemeinschaften gelingen. 

Quellen

https://wwf.panda.org/discover/knowledge_hub/where_we_work/amazon/about_the_amazon

https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1605516113

https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aat2340

https://tfff.earth/wp-content/uploads/2025/08/TFFF-Concept-Note-3.0-202508-FINAL.pdf

https://www.tagesschau.de/ausland/deutschland-regenwaldfonds-100.html

https://tfff.earth/wp-content/uploads/2025/10/TFFF-Concept-Note-3.1.pdf

https://www.welt.de/debatte/article690e21490a7608566ac567f8/merz-in-brasilien-eine-riskante-wette-mit-dem-steuergeld-der-deutschen.html

https://globalforestcoalition.org/report-tfff/

https://wwf.panda.org/wwf_news/?14602441%2FWWF-welcomes-TFFF-Concept-Note-30-urges-investors-to-support-the-Facility

 

 

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  1. Stickman Hook

    vor 2 Wochen

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