Aussenkehr, ein landwirtschaftlich geprägtes Siedlungsgebiet am Orange River im Süden Namibias, ist durch extreme klimatische Bedingungen, strukturelle Armut und eine nur teilweise ausgebaute Infrastruktur charakterisiert. Während der Environmental Management Plan (EMP) für das bestehende Wasserversorgungssystem in Aussenkehr detaillierte Informationen über die Wasserverarbeitung, Energieversorgung der Pumpstationen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen liefert, zeigt der Alltag der lokalen Bevölkerung ein kontrastierendes Bild: Der Zugang zu elektrischer Energie im informellen Siedlungsbereich ist stark eingeschränkt, weshalb alternative Energieformen eine zentrale Rolle spielen.
Keine gesicherten Energiequellen für Privathaushalte der informellen Siedlungen
Die informellen Siedlungen entlang des Orange River verfügen gemäß EMP über keine formellen Anschlussmöglichkeiten an ein städtisches Stromnetz; die Versorgung beschränkt sich im Wesentlichen auf die elektrifizierten Installationen im Rahmen der Wasseraufbereitungs- und Pumpstationen für die kommunale Trinkwasserversorgung. Für Privathaushalte stehen hingegen kaum gesicherte Energiequellen zur Verfügung. Diese infrastrukturelle Lücke prägt maßgeblich das Energieverhalten der Bewohner*innen.
Zwischen Feuerholz und Balkonkraftwerken
Während meiner Beobachtungen in Aussenkehr zeigte sich, dass offene Feuerstellen für die tägliche Essenszubereitung nahezu unverzichtbar sind. Die Nutzung von Holz als primäre Energiequelle folgt dabei weniger einer kulturellen Präferenz, sondern ergibt sich unmittelbar aus dem Mangel an alternativen Versorgungsoptionen. Gleichzeitig ist diese Form der Energiegewinnung trotz ihrer klimaschädlichen Auswirkungen in globalem Maßstab lokal oft vergleichsweise ressourcenschonend, da Brennholz gesammelt und unmittelbar verbraucht wird. Dennoch besteht langfristig die Herausforderung, dass die großflächige Nutzung von Feuerholz zu lokaler Vegetationsveränderung beitragen kann – ein Aspekt, der auch im EMP thematisiert wird, etwa im Verbot des Sammelns von Feuerholz im Bereich der Wasserinfrastruktur.
Parallel dazu sind in der Community zunehmend kleine, kostengünstige Solarpanels zu beobachten, die von vielen Haushalten zum Laden von Mobiltelefonen, kleinen Lampen oder Radios eingesetzt werden. Diese dezentralen Photovoltaikmodule stellen eine niedrigschwellige Form erneuerbarer Energie dar, die – trotz limitierter Leistung – ein hohes Maß an funktionaler Selbstständigkeit ermöglicht. Besonders in einem Gebiet, das durch extreme Sonneneinstrahlung und geringe Niederschläge geprägt ist, bieten solche Technologien eine effiziente und ökologisch nachhaltige Lösung im Alltag.
Technologischer Fortschritt ist der Industrie vorbehalten
Der Kontrast zwischen den hochgradig technisierten, strombetriebenen Wasseraufbereitungsanlagen und dem energielimitierten Alltag der Bevölkerung verdeutlicht die Ungleichheit der Energieverfügbarkeit innerhalb eines einzigen Siedlungsraums. Während Pumpstationen und Wasserreservoirs über stabile Stromversorgung, Transformatoren und automatisierte Kontrollsysteme verfügen, bleiben Bewohner*innen in der informellen Siedlung weitgehend auf Feuer und Klein-Solar angewiesen. Diese Diskrepanz unterstreicht die Notwendigkeit, Energieversorgung nicht allein in Bezug auf großtechnische Infrastruktur, sondern auch als sozialen Faktor zu betrachten.
Resiliente Energieversorgung für alle ist möglich
Zusammenfassend zeigt Aussenkehr ein vielschichtiges Bild der Energieversorgung: Einerseits moderne, regulierte und energieintensive Systeme im Bereich der Wasserwirtschaft – andererseits ein von improvisierten, aber oft nachhaltigen Energielösungen geprägter Alltag. Für eine langfristig tragfähige regionale Entwicklung wäre es entscheidend, diese beiden Ebenen stärker miteinander zu verknüpfen, um eine gerechte, nachhaltige und resiliente Energieversorgung in der Region zu ermöglichen.
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